{"id":1064,"date":"2013-09-29T09:07:08","date_gmt":"2013-09-29T07:07:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=1064"},"modified":"2013-10-02T05:11:56","modified_gmt":"2013-10-02T03:11:56","slug":"der-ganz-nebenbei-spitzenreiter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=1064","title":{"rendered":"Der Ganz-Nebenbei-Spitzenreiter"},"content":{"rendered":"<p>Beim Sch\u00fctzenfest gegen den SC Freiburg \u00fcberrollt Borussia Dortmund den n\u00e4chsten Bundesliga-Gegner. Dass der BVB den besten Saisonstart seiner Klubgeschichte weiter ausbaut, den Platz an der Sonne souver\u00e4n verteidigt und ein Aushilfsverteidiger eine l\u00e4nderspielreife Leistung zeigt, geht fast ein wenig unter. Die klare Message an die Liga: Mannschaft <em>und<\/em> Fans haben in dieser Saison noch sehr viel vor.<!--more--><\/p>\n<p>Die Rausschmei\u00dferfrage in der Pressekonferenz hatte das Zeug, J\u00fcrgen Klopp doch noch aus der Reserve zu locken. Wie ihm denn die Stimmung im Stadion gefallen habe, wurde der Trainer von Borussia Dortmund gefragt, und der BVB-Emotionsbolzen vermutete nicht ganz zu unrecht eine Falle. \u201eWetter, Publikum und Fu\u00dfball &#8211; das Gesamtpaket hat gepasst\u201c, konterte Klopp mit einem mittelgro\u00dfen Fragezeichen im Gesicht. Nat\u00fcrlich war die Atmosph\u00e4re vor erneut 80.000 Fans im fr\u00fcheren Westfalenstadion hervorragend &#8211; angesichts des h\u00f6chsten Saisonsiegs der Dortmunder bei der 5:0-Gala \u00fcber den SC Freiburg. Aber einen wahren Kern hatte die Frage wohl, denn genau wie der Vizemeister selbst scheinen sich auch dessen Fans f\u00fcr die ganz gro\u00dfen Momente dieser Saison sogar noch einiges aufzuheben.<\/p>\n<p><strong>Dortmund trotzt dem Verletzungspech<\/strong><br \/>\nDer BVB hat sich zum Ganz-Nebenbei-Spitzenreiter entwickelt, im absolut positiven Sinne. \u00dcber den Erfolg wird zwar nicht in Mia-san-mia-Manier hinweggegangen, und weder Team noch Anh\u00e4nger sind wirklich satt angesichts der traumhaften vergangenen drei Jahre. Ganz im Gegenteil, die Fans bekommen gerade eine wohlige Ahnung, was in den kommenden Jahren m\u00f6glich sein k\u00f6nnte. Aber es macht auch keiner gro\u00df Aufhebens drum, dass der Klub im Jahr eins nach Mario G\u00f6tze im Schnitt drei Tore in der Bundesliga erzielt; dass der Verein nach sieben Spieltagen erstmals in seiner Geschichte nahezu optimale 19 Punkte hat; oder dass er knapp vorm FC Bayern die Tabelle anf\u00fchrt, obwohl der Branchenprimus gerade drauf und dran ist, die historische Serie von 36 ungeschlagenen Spielen zu knacken, die der Hamburger SV in seinen glorreichen Achtziger-Jahren aufstellte. Vor zwei Jahren h\u00e4tten die schwarz-gelben Fans bei einer solchen Konstellation noch das Stadion abgerissen vor Freude und von besonnenen Stimmen eingefangen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Drei Tage vorm ersten Heimspiel der Gruppenphase der Champions League gegen Olympique Marseille war der BVB gegen den v\u00f6llig \u00fcberforderten SC Freiburg m\u00fchelos in der Lage, sich trotz momentan gro\u00dfen Verletzungspechs f\u00fcr die K\u00f6nigsklasse warm zu schie\u00dfen. Ohne die Langzeitverletzten Lukasz Piszczek, Ilkay G\u00fcndogan, Sebastian Kehl und nun auch Marcel Schmelzer, der sich beim Abschlusstraining einen Muskelfaserriss zuzog und drei Wochen lang das BVB-Lazarett erweitern wird, kamen die Westfalen zu einem nie gef\u00e4hrdeten Erfolg. <\/p>\n<p><strong>In der zweiten H\u00e4lfte regelrecht seziert<\/strong><br \/>\nDer BVB war zudem erneut f\u00e4hig, neue Helden aus dem Hut zu zaubern &#8211; und damit sind noch nicht einmal die Doppeltorsch\u00fctzen Marco Reus oder Robert Lewandowski gemeint. Gegen Freiburg war es vielmehr Umsch\u00fcler Kevin Gro\u00dfkreutz mit einer l\u00e4nderspielreifen Leistung. Falls der Bundestrainer wirklich daran denkt, DFB-Kapit\u00e4n Philipp Lahm aus der Viererkette ins Mittelfeld abzuziehen &#8211; ein Ersatz als rechter Au\u00dfenverteidiger st\u00fcnde bereit. \u201eKevin macht gerade eine tolle Entwicklung durch. Wirklich \u00fcberragend\u201c, lie\u00df sich Klopp zu einem Sonderlob f\u00fcr seinen Allrounder hinrei\u00dfen. Gro\u00dfkreutz f\u00e4hrt zurzeit etliche Sonderschichten im Training, um noch besser in Form zu sein als ohnehin, verriet der Trainer au\u00dferdem. Gegen Freiburg rannte der Ur-Borusse wie das ber\u00fchmte Duracell-H\u00e4schen unerm\u00fcdlich den Platz rauf und runter. Er gewann mit Abstand die meisten Zweik\u00e4mpfe aller Akteure auf dem Platz und war insgesamt fast elf Kilometer unterwegs. In einer Szene \u00fcberholte er sogar kurzerhand den taktisch vor ihm postierten Jakub Blaszczykowski, der als Joker doch eigentlich viel frischer h\u00e4tte sein m\u00fcssen. Gro\u00dfkreutz bereitete Angriff um Angriff des BVB vor, so dass es keinerlei Argumente gab, wer den Rasen als Sieger verl\u00e4sst.<\/p>\n<p>\u201eDas Ergebnis h\u00e4tte auch noch h\u00f6her ausfallen k\u00f6nnen\u201c, gab G\u00e4ste-Trainer Christian Streich angesichts von aus seiner Sicht 2:27 Torsch\u00fcssen freim\u00fctig zu. Vorm Gegenpressing-Spektakel der Hausherren zog er den Hut. \u201eWir sind von einer eingespielten Mannschaft in der zweiten H\u00e4lfte regelrecht seziert worden.\u201c<\/p>\n<p><strong>Die Vollgasfu\u00dfballer treten das Gaspedal weiter durch<\/strong><br \/>\nDabei hatte die Borussia zur Halbzeit auch noch Sven Bender verloren. Der Marathon-Mann lie\u00df sich vorsichtshalber auswechseln, nachdem er mit Schmelzer-Ersatz Erik Durm bei einem Kopfball zusammengerasselt war und Prellungen zu beklagen hatte. Aber zu diesem Zeitpunkt war die Messe l\u00e4ngst gelesen in Deutschlands sch\u00f6nster Fu\u00dfball-Kathedrale. \u201eNach der Roten Karte und dem Elfmeter in der 45. Minute war das Spiel entschieden\u201c, sagte Klopp. Nationalspieler Reus hatte mit seinen beiden Toren vor der Halbzeit alles klar gemacht. Beim ersten Treffer staubte er nach Benders Gewaltschuss cool ab (35.), den zweiten versenkte er im Duell vom Punkt ebenso souver\u00e4n. Dass die Entscheidung von Schiedsrichter Markus Schmidt zu hart war, Freiburgs Innenverteidiger Fallou Diagne f\u00fcr den Trikotzupfer gegen Robert Lewandowski doppelt zu bestrafen, d\u00fcrfte dem BVB-Star reichlich egal gewesen sein.<\/p>\n<p>Die Partie wurde damit endg\u00fcltig zum Einbahnstra\u00dfenfu\u00dfball, aber trotz der anstehenden wichtigen Aufgabe in der K\u00f6nigsklasse nie eine langweilige Angelegenheit. Das lag daran, dass \u201edie Jungs richtig Bock entwickelt haben\u201c, wie Klopp anerkennend formulierte. Oder mit Reus&#8217; Worten: &#8220;Ein 2:0 oder 3:0 reicht uns nicht, wir wollen immer einen nachlegen.&#8221; W\u00e4hrend im S\u00fcden der Republik die beste Mannschaft Europas vom eigenen Sportdirektor selbst nach einem Sieg schon mal \u201eDienst nach Vorschrift\u201c vorgeworfen bekommt, geht der BVB einen v\u00f6llig anderen Weg. Nachdem das Standgas-Experiment beim \u00e4rgerlichen Punkteverlust in N\u00fcrnberg j\u00fcngst schief gegangen war, besinnt sich die Borussia wieder auf ihre St\u00e4rken. \u201eWir wollten einen hohen Rhythmus gehen und zeigen, dass die Arbeit Spa\u00df macht\u201c, erkl\u00e4rte Klopp. Obwohl in Blaszczykowski und Jonas Hofmann nach dem Wechsel noch zwei weitere Neue ins Spiel geworfen wurden, traten die Vollgasfu\u00dfballer das Gaspedal einfach weiter durch.<\/p>\n<p><strong>Aubameyang und der Tag in der Sonne<\/strong><br \/>\nNoch drei Minuten vor dem Ende musste sich Freiburgs Immanuel H\u00f6hn von Dortmunds Edelreservisten Oliver Kirch an die eigene Eckfahne dr\u00e4ngen lassen. Da stand es l\u00e4ngst 5:0, nachdem Lewandowski mit seinen Saisontoren f\u00fcnf und sechs (58., 70.) zur Spitze in der Torj\u00e4gerliste aufgeschlossen hatte. Auch Blaszczykowski holte sich noch ein Erfolgserlebnis ab (79.). Allein Pierre-Emerick Aubameyang d\u00fcrfte den Samstagnachmittag in der Sonne nicht uneingeschr\u00e4nkt genossen haben. Alle sieben Torsch\u00fcsse gingen dem Gabuner daneben, einige nur furchtbar knapp. Aber auch er durfte sich nach dem Spiel unter \u201eSpitzenreiter, Spitzenreiter\u201c-Rufen vor der S\u00fcdtrib\u00fcne feiern lassen. In aller K\u00fcrze versteht sich, denn die n\u00e4chste wahre Eruption der Freude in Westfalen ist eigentlich erst f\u00fcr Dienstag geplant, wenn der Neapel-Ausrutscher in der Champions League repariert werden soll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Sch\u00fctzenfest gegen den SC Freiburg \u00fcberrollt Borussia Dortmund den n\u00e4chsten Bundesliga-Gegner. 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