{"id":1201,"date":"2013-12-22T02:11:43","date_gmt":"2013-12-22T00:11:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=1201"},"modified":"2014-02-03T05:08:41","modified_gmt":"2014-02-03T03:08:41","slug":"borussia-dortmunds-vorweihnachtliche-kernschmelze","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=1201","title":{"rendered":"Borussia Dortmund und die vorweihnachtliche Kernschmelze"},"content":{"rendered":"<p>Katastrophale Abwehrfehler und ein offensiver Offenbarungseid: Der BVB verabschiedet sich aus seinem grandiosen Jahr 2013 mit einem Anflug von Krise.<!--more--><\/p>\n<p>Auf der Pressekonferenz im fr\u00fcheren Westfalenstadion geriet der Trainer ins Schw\u00e4rmen: \u201eWahnsinn, ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Der Sieg ist die Kr\u00f6nung f\u00fcr eine gro\u00dfartige Hinrunde.\u201c Allerdings war es Jos Luhukay, der Coach des Aufsteigers Hertha BSC, der \u00fcbers ganze Gesicht strahlte und am liebsten auf der Stelle ein Best-of seines Teams bei Youtube angeschaut h\u00e4tte. Sein Gegen\u00fcber J\u00fcrgen Klopp dagegen, der mit Borussia Dortmund vor wenigen Monaten noch im Finale der Champions League stand und k\u00fcrzlich wieder ins Achtelfinale der K\u00f6nigsklasse einzog, schaute, als w\u00fcrde er Alu-Folie kauen. \u201eWas gut angefangen hat, ist beschissen zu Ende gegangen\u201c, \u00e4tzte der BVB-Trainer angesichts der 1:2-Pleite im letzten Hinrundenspiel der Saison 2013\/14. Seine Jungs sorgten drei Tage vor Weihnachten f\u00fcr die unpassendste Bescherung eines ansonsten herausragenden sportlichen Jahres. \u201eSo haben wir uns das nicht vorgestellt.\u201c<\/p>\n<p><strong>Der Horror-Rang sieben ist pl\u00f6tzlich ganz nah<\/strong><br \/>\nEtwas unvermittelt ist die Krise \u00fcber Westfalen hereingebrochen. Doch der Blick auf die Zahlen verdeutlicht: Das brutale Ende der schwarz-gelben Herrlichkeit hat sich schon l\u00e4nger angedeutet: Die Niederlage gegen Hertha war die dritte Heimpleite in Folge. Das gab es unter Klopp in Dortmund noch nie, und in der j\u00fcngeren Geschichte des Revierklubs zuletzt vor 14 Jahren, als der BVB mit Bernd Krauss und sp\u00e4ter dem Tandem Udo Lattek\/Matthias Sammer gegen den Abstieg k\u00e4mpfte. Null Punkte und 1:6 Tore lautet aktuell die niederschmetternde Bilanz aus den j\u00fcngsten drei Auftritten vor eigenem Publikum. Es war zudem die f\u00fcnfte Pleite gegen ein Team aus dem oberen Tabellendrittel &#8211; der Vizemeister mit dem ungeahnten Hang zur spielerischen Kernschmelze ist unter den Topmannschaften inzwischen ein willkommener Punktelieferant.<\/p>\n<p>Der FC Bayern ist zw\u00f6lf Punkte enteilt und hat sogar noch eine Partie in der Hinterhand, w\u00e4hrend die Spieler der M\u00fcnchner in Marokko flei\u00dfig die Pokalsammlung erweitern und sich \u00fcber die vermeintliche Konkurrenz in Deutschland schlapp lachen. Die Chance ist riesengro\u00df, das auch Ende dieser Saison um die 25 Punkte zwischen dem alten und ziemlich sicher auch neuen Deutschen Meister sowie dem Herausforderer stehen. Dabei hatten die BVB-Stars vor der Saison als oberstes Ziel explizit ausgegeben, genau diese Art der erneuten Dem\u00fctigung zu verhindern. Schlimmer noch f\u00fcr die Borussen: Es wackelt der Champions-League-Platz f\u00fcr die kommende Spielzeit, denn nach nur vier von 18 m\u00f6glichen Punkten aus den j\u00fcngsten sechs Spielen droht Dortmund ins Mittelma\u00df abzurutschen. Der Horror-Rang sieben, der im Normalfall nicht mal als Trittbrett f\u00fcr die Europa League reicht, ist nur vier Z\u00e4hler weg.<\/p>\n<p><strong>Die Abwehr leistet sich schwere Fehler<\/strong><br \/>\nBei der f\u00fcnften Liga-Pleite schon in der Hinrunde &#8211; auch das ein Novum f\u00fcr die bislang so erfolgreiche Verbindung Klopp-BVB &#8211; waren es katastrophale individuelle Fehler, die das schwarz-gelbe Drama in Gang setzten. Abwehrchef Sokratis scheiterte mit einem unn\u00f6tigen Seitenwechsel parallel zur Mittellinie und setzte Erik Durm am anderen Ende des Feldes derma\u00dfen unter Druck, dass nach der verungl\u00fcckten Ballannahme des Au\u00dfenverteidigers der Ausgleich der G\u00e4ste durch Ramos in der 23. Minute f\u00f6rmlich in der Luft lag. Marian Sarrs eklatanter Aussetzer gegen Sami Allagui vorm zweiten Tor der Berliner (45.) war schlicht zum Heulen. Zuvor hatte der bedauernswerte Youngster eine gute Partie gegen die Hertha gespielt. Der Innenverteidiger, der ja nur wegen des enormen Verletzungspechs in der Bundesliga anstatt in der 3. Liga aushilft, leistete enorm viel f\u00fcrs Dortmunder Aufbauspiel und wurde immer wieder von seinen Kollegen gesucht und angespielt.<\/p>\n<p>Doch genau da liegt zurzeit die Krux im Dortmunder Spiel: Vom Mittelfeld, dem fr\u00fcheren Prachtst\u00fcck des BVB-Vollgasfu\u00dfballs, gehen kaum noch z\u00fcndende Ideen aus. Unter dem Druck eines R\u00fcckstandes schon gar nicht. In der Schaltzentrale herrscht zurzeit mitunter Mut- und Ratlosigkeit, sonst w\u00fcrde der Ball wohl nicht st\u00e4ndig zu einem 18-J\u00e4hrigen Innenverteidiger namens Sarr abgeschoben, der gerade erst seinen dritten Profieinsatz \u00fcber die B\u00fchne bringt. Im ersten Durchgang schickte Sebastian Kehl immerhin gekonnt Marco Reus auf die Reise zur fr\u00fchen 1:0-F\u00fchrung (7.). Aber nach einer weiteren Chance durch Robert Lewandowski nur f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter schlief das BVB-Spiel komplett ein. \u201eUns fehlt der Killerinstinkt\u201c, schimpfte Nuri Sahin sp\u00e4ter. \u201eWir haben irgendwann mit dem Fu\u00dfballspielen aufgeh\u00f6rt\u201c, sagte Kapit\u00e4n Kehl. Und Trainer Klopp beklagte: \u201eWir haben den Fu\u00df zu fr\u00fch vom Gas genommen.\u201c Um im Bild zu bleiben: Reus und Co. haben den BVB in eine viel zu kleine Parkposition man\u00f6vriert, in die sie zwar rein, aber nicht mehr heraus kamen.<\/p>\n<p><strong>Aber das Problem liegt weiter vorne<\/strong><br \/>\nDas muss man erst mal schaffen mit diesem BVB-Flitzer, der doch eigentlich weder R\u00fcckspiegel noch R\u00fcckw\u00e4rtsgang hat. Von Henrich Mchitarjan kamen erneut so gut wie keine wertvollen Impulse, auch Reus war nach seinem fr\u00fchen Highlight ein Totalausfall. Kehl und Sahin machten ihre Sache defensiv ordentlich, aber mit der Offensive waren sie &#8211; wie so oft in j\u00fcngster Zeit &#8211; meist \u00fcberfordert. St\u00fcrmer Lewandowski litt mal wieder darunter, zu sehr auf sich alleine gestellt zu sein. Kein Wunder, dass der Pole st\u00e4ndig auf andere Positionen ausweicht, um sich selbst die B\u00e4lle zu holen. Seit nunmehr sechs Partien hat der Torj\u00e4ger nicht mehr aus dem Spiel heraus in der Bundesliga getroffen. <\/p>\n<p>Mal ganz abgesehen davon, dass die freche Hertha ihre Sache auch sehr gut machte &#8211; Angriffe \u00fcber die Seiten gab es bei der Borussia kaum. Nur ganz selten fand (und findet) ein Dortmunder den Weg bis zur Grundlinie, um die Abwehr von hinten auszuhebeln. Das Dilemma bei Ecken geh\u00f6rt l\u00e4ngst zur Folklore der Westfalen &#8211; gegen Berlin brachten f\u00fcnf dieser Standards keinerlei Gefahr.<\/p>\n<p><strong>Die Statistik &#8211; ein Muster ohne Wert<\/strong><br \/>\nNur ein nennenswerter Angriff gelang der Borussia im zweiten Durchgang, als es so dringend darum ging, mit einem Positiverlebnis aus der Saison zu gehen. Joker Jonas Hofmanns Schuss von der Strafraumkante war die einzige Herausforderung f\u00fcr den Bundesliga-Deb\u00fctanten Marius Gersbeck, der den verletzten Hertha-Stammkeeper Thomas Kraft vertrat. In der restlichen Zeit passierte &#8211; nichts! Dortmund k\u00e4mpfte und rannte sogar noch mehr als sonst: Insgesamt 128 Kilometer spulten die Schwarz-Gelben ab &#8211; Saisonrekord! Allein Mchitarjan und Kevin Gro\u00dfkreutz schafften jeweils mehr als 13 Kilometer.<\/p>\n<p>Aber all das geschah v\u00f6llig uninspiriert und kaum zielf\u00fchrend. Satte 68 Prozent Ballbesitz &#8211; ebenfalls ein Muster ohne Wert. Dass die fr\u00fchere Zaubertruppe in den letzten zehn Minuten schlie\u00dflich mit der Angriffsvariante Brechstange scheitern w\u00fcrde, war abzusehen. \u201eDas war f\u00fcr Berlin nicht so schwierig zu verteidigen\u201c, fasste BVB-Trainer Klopp die unterirdische zweite Halbzeit seiner Mannschaft zusammen. Erstmals seit Langem schien auch der Chef\u00fcbungsleiter entt\u00e4uscht \u00fcber die Reaktion seiner Mannschaft. Sportdirektor Michael Zorc wurde in der Mixed Zone sogar noch deutlicher: &#8220;Ich bin nach langer, langer Zeit erstmals nicht einverstanden, mit der Art und Weise, wie wir aufgetreten sind.&#8221;<\/p>\n<p><strong>Gr\u00f6\u00dfere Sorgen als nur Verletzungen<\/strong><br \/>\nDenn all das, was den BVB in den vergangenen dreieinhalb Jahren auszeichnete, scheint pl\u00f6tzlich weg zu sein. Die absolute Gier; das Umschaltspiel; die Offensivgewalt; der unbarmherzige Zug zum gegnerischen Tor; die unglaubliche Pressing-Power, unter der die Kontrahenten sonst reihenweise zerbrachen. Schon gegen Wolfsburg und Leverkusen, selbst beim Arbeitssieg in Mainz hatte sich das angedeutet. Zwischenzeitlicher Chancenwucher gegen Gegner wie Marseille oder Hoffenheim haben den Blick f\u00fcr die wahren Probleme wom\u00f6glich stark vernebelt. In jedem Fall: Selten hat die Borussia eine Winterpause so dringend herbeigesehnt und gebraucht.<\/p>\n<p>\u201eWir m\u00fcssen \u00fcber Vieles nachdenken\u201c, k\u00fcndigte Klopp unmittelbar nach Spielschluss vielsagend an. Aber ob in den gerade mal f\u00fcnf Wochen bis zum Start der R\u00fcckrunde auch die strukturellen Probleme der Dortmunder Mannschaft behoben werden k\u00f6nnen, die weit \u00fcber personelle Verletzungssorgen hinausgehen? Das ist eine der wirklich spannendsten Fragen einer Bundesliga, die an der Spitze nur noch bayrische Dauersieger-Langeweile zu bieten hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Katastrophale Abwehrfehler und ein offensiver Offenbarungseid: Der BVB verabschiedet sich aus seinem grandiosen Jahr 2013 mit einem Anflug von Krise.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","enabled":false}}},"categories":[27],"tags":[16,246,122,123,33],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p2zHXD-jn","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_likes_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1201"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1201"}],"version-history":[{"count":42,"href":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1201\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1244,"href":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1201\/revisions\/1244"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1201"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1201"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1201"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}