{"id":1320,"date":"2014-03-26T02:43:45","date_gmt":"2014-03-26T00:43:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=1320"},"modified":"2014-04-06T10:21:42","modified_gmt":"2014-04-06T08:21:42","slug":"eine-nullnummer-fuer-die-pinnwand","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=1320","title":{"rendered":"Eine Nullnummer f\u00fcr die Pinnwand"},"content":{"rendered":"<p>Kein Sieger, aber viele Gewinner: Selten hat ein torloses Revierderby so viel Freude bei den Rivalen Borussia Dortmund und Schalke 04 verbreitet wie die 144. Ausgabe des Traditionsduells &#8211; auch weil die bef\u00fcrchtete Randale ausbleibt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Am Ende waren alle irgendwie gl\u00fccklich: Die Dortmunder Borussia holte nach einer klasse Leistung vor der S\u00fcdtrib\u00fcne den Schulterschluss mit ihren Fans nach, der zuletzt in der Champions League nach atmosph\u00e4rischen St\u00f6rungen noch recht halbherzig ausgefallen war; Schalkes Anh\u00e4nger lie\u00dfen Torh\u00fcter Ralf F\u00e4hrmann hochleben, der mit Weltklasse-Paraden das Unentschieden rettete. Und die Polizei sowie vermutlich s\u00e4mtliche Funktion\u00e4re bei beiden Klubs, der DFL und dem DFB d\u00fcrften erleichtert durchgeatmet haben, dass die Spirale der Gewalt f\u00fcrs Erste durchbrochen wurde beim wohl friedlichsten Revierderby seit Jahren. Selten hat ein 0:0 in der Bundesliga so viel Freude auf allen Seiten verbreitet wie die 144. Ausgabe von Schwarz-Gelb gegen K\u00f6nigsblau.<\/p>\n<p>\u201eWenn es heute Nacht zwischen den Fans noch ruhig bleibt, pinnen wir uns das Spiel an die Wand. Genau so soll ein Derby sein\u201c, sagte BVB-Trainer J\u00fcrgen Klopp, bevor er und sein Kontrahent Jens Keller froh gelaunt vom Podium der Presskonferenz verschwanden, als w\u00fcrden sich gerade zwei alte Skatkumpel auf den gemeinsamen Weg in die Kneipe machen. \u201eNur n\u00e4chstes mal dann bitte mit Dortmunder Toren\u201c, schob der Coach der Schwarz-Gelben immerhin noch hinterher. Die mangelhafte Chancenverwertung war aus seiner Sicht wirklich der einzige Schwachpunkt eines klasse Duells.<\/p>\n<p>Klopps BVB spielte gegen den Revierrivalen gro\u00df auf und erinnerte phasenweise sogar an die Auftritte im ersten Viertel der Saison. Obwohl die Dortmunder ihre Heimbilanz nicht aufh\u00fcbschen konnten und in dieser Spielzeit bei nun vier Pleiten und zwei Remis schon 16 Z\u00e4hler im fr\u00fcheren Westfalenstadion liegen lie\u00dfen, konnte Abwehrchef Mats Hummels unwidersprochen erkl\u00e4ren: \u201eDas war unser bestes Heimspiel seit Monaten.\u201c Nach zuletzt etlichen schw\u00e4cheren Auftritten war beim Vizemeister in der Tat die R\u00fcckkehr der Spielkultur zu bewundern. Chance um Chance erarbeiteten sich die Hausherren, die von Henrich Mchitarjan und Marco Reus immer wieder eindrucksvoll nach vorne getrieben wurden.<\/p>\n<p><strong>Der BVB hat sich schon mal mehr \u00fcber Chancenwucher ge\u00e4rgert<\/strong><br \/>\nDie beiden Mittelfeldmotoren hatten auch die gr\u00f6\u00dften M\u00f6glichkeiten f\u00fcr den BVB. Sie vergeigten einige beinahe fahrl\u00e4ssig oder scheiterten an Schalkes \u00fcberragendem Keeper. Nach gut einer halben Stunde scheiterte Mchitarjan mit einem Distanzschuss an F\u00e4hrmann, in der 72. Minute brachte er das Kunstst\u00fcck fertig, nach feinem Doppelpass mit Kevin Gro\u00dfkreutz aus bester Lage am Tor vorbei zu treten. Reus donnerte erst einen Drehschuss am Schalker Geh\u00e4use vorbei (39.) und fand quasi mit dem Pausenpfiff ebenfalls seinen Meister in F\u00e4hrmann. Robert Lewandowski (6.), Kapit\u00e4n Sebastian Kehl (16.) und noch einmal Reus (70.) vergaben weitere Chancen aus der Luft. \u201eWir haben die B\u00e4lle vorbei gek\u00f6pft oder den Nebenmann \u00fcbersehen\u201c, bem\u00e4ngelte Klopp sp\u00e4ter und meinte mit dem zweiten Teil wohl Torj\u00e4ger Lewandowski, der bei einem Bilderbuchkonter den freien Reus \u00fcbersah, um sein Solo zum Weltklassetreffer aufzupeppen (68.).<\/p>\n<p>Doch der BVB hat sich in dieser Saison schon wesentlich deutlicher \u00fcber den eigenen Chancenwucher ge\u00e4rgert. \u201eWir sind heute in allen Statistiken vorne, au\u00dfer bei den Fouls und den Toren\u201c, sagte Teilzeit-Vulkan Klopp vergleichsweise milde. Die Fans d\u00fcrfen sich ersatzweise mit diesen Zahlen tr\u00f6sten: \u201eDie Nummer eins im Pott sind wir\u201c, sang die S\u00fcdtrib\u00fcne trotz des Punkte-Verlustes selig, nachdem es in dieser Saison keine Niederlage von \u201eL\u00fcdenscheid-Nord\u201c gegen \u201eHerne-West\u201c gab und auch Rang zwei knapp verteidigt wurde. Vor dem Rivalen zu stehen: Morgens beim B\u00e4cker und den ganzen Tag \u00fcber am Arbeitsplatz geh\u00f6rt dieses Gef\u00fchl immer noch zu den h\u00e4rtesten W\u00e4hrungen im fu\u00dfballleidenschaftlich geteilten Revier. Dass durch den gleichzeitigen Sieg des alten und nun auch neuen Deutschen Meisters FC Bayern der R\u00fcckstand auf eben jene 25 Punkte anschwoll, die es aus BVB-Sicht nie mehr geben sollte, interessiert ja schon l\u00e4ngst keinen mehr. Im Titelrennen hat die Liga kollektiv und auf lange Zeit die Wei\u00dfe Flagge gehisst.<\/p>\n<p><strong>Kellers Rasselbande h\u00e4lt dem Druck stand<\/strong><br \/>\nAuch die Schalker konnten fast nur Positives aus der gl\u00fccklichen Punkte-Teilung ziehen. Mit 23 Z\u00e4hlern nach dem Jahreswechsel bleibt S04 die beste R\u00fcckrundenmannschaft in der Au\u00dfer-die-Bayern-Liga. Jens Kellers Rasselbande hat die Dauer-Schw\u00e4che der Konkurrenz aus Leverkusen und Gladbach effizient ausgenutzt und sich auf Rang drei eingenistet. Nur einen Punkt hinter dem Rivalen Dortmund h\u00e4lt das ultrajunge Team &#8211; erneut waren sechs Spieler in der Startelf nur 22 Jahre alt oder weit j\u00fcnger &#8211; klar Kurs auf die direkte Qualifikation f\u00fcr die Champions League. F\u00fcr den ebenso wie der BVB von enormen Verletzungssorgen geplagten Klub eine hoch einzusch\u00e4tzende Leistung. Im Lazarett-Duell mussten \u00fcbrigens beide Mannschaften insgesamt sieben Stammspieler ersetzen.<\/p>\n<p>\u201eDie erste Halbzeit konnten wir noch ausgeglichen gestalten, am Ende fehlte die Kraft\u201c, analysierte S04-Coach Keller korrekt und ehrlich. Immerhin kam auch seine Mannschaft zu drei Gro\u00dfchancen &#8211; durch Klaas-Jan Huntelaar, der aus f\u00fcnf Metern \u00fcbers Tor schoss (5.), Roman Neust\u00e4dter, der str\u00e4flich frei zum Kopfball ansetzte (59.) und Kevin-Prince Boateng mit einem Distanzkracher (78.). So mussten sich die K\u00f6nigsblauen bei ihrem Torh\u00fcter bedanken, dass sie mit der wertvollen Nullnummer davon kamen. \u201eAuf der Linie gibt es keinen Besseren\u201c, sagte Teamkollege Julian Draxler nach der Partie und auch sein Trainer zog den Hut: \u201eRalf hat heute wieder \u00fcberragend gehalten.\u201c Ein weiteres Sonderlob gab es f\u00fcr seine beiden jungen Innenverteidiger: \u201eWie Joel Matip und Kaan Ayhan dem Dortmunder Druck standgehalten haben, war beeindruckend.\u201c Der 19-j\u00e4hrigen Ayhan absolvierte erst seinen dritten Startelfeinsatz als Profi.<\/p>\n<p><strong>Die bef\u00fcrchtete Randale-Revanche bleibt aus<\/strong><br \/>\nUnd zu guter Letzt waren die Fans und der Fu\u00dfball die gro\u00dfen Gewinner. Abgesehen von wenigen  Widerw\u00e4rtigkeiten vor Anpfiff blieb es relativ ruhig: Schwachk\u00f6pfe hatten vorm Stadion sechs mit Rasierklingen pr\u00e4parierte Anti-Schalke-Aufkleber verbreitet, diese waren aber zum Gl\u00fcck entdeckt worden. Einige Werbebanden auf der Nordtrib\u00fcne mussten dran glauben. Auf den R\u00e4ngen der Gelben Wand prangten einige h\u00e4ssliche Plakate, die d\u00fcmmsten wurden aber schnell wieder eingerollt.  Ein einziger B\u00f6ller wurde im Stadion gez\u00fcndet bei diesem Derby auf Bew\u00e4hrung, und dieser auf Schalker Seite auch erst nach Abpfiff.<\/p>\n<p>Nach den Pyro-Attacken im Hinspiel in Gelsenkirchen verzichteten die Anh\u00e4nger im G\u00e4steblock gl\u00fccklicherweise auf die bef\u00fcrchtete Revanche und blieben vorbildlich zur\u00fcckhaltend. Nach Mitternacht meldete die Polizei, die mit 3000 Ordnungsh\u00fctern die beiden Fanlager strikt trennte, dass auch die Abreise weitgehend friedlich verlaufen war. Am gesamten Abend gab es lediglich zwei Festnahmen. \u201eOhne Theater und Randale &#8211; das war heute eine tolle Stimmung hier im Stadion\u201c, sagte Schalke-Trainer Jens Keller und hatte vermutlich alle Fu\u00dfballfreunde hinter sich mit dieser Meinung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kein Sieger, aber viele Gewinner: Selten hat ein torloses Revierderby so viel Freude bei den Rivalen Borussia Dortmund und Schalke 04 verbreitet wie die 144. 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