{"id":1614,"date":"2014-11-04T09:32:37","date_gmt":"2014-11-04T07:32:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=1614"},"modified":"2014-11-10T01:16:15","modified_gmt":"2014-11-09T23:16:15","slug":"mustafi-es-war-zeit-fuer-den-naechsten-schritt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=1614","title":{"rendered":"Mustafi: \u201eEs war Zeit f\u00fcr den n\u00e4chsten Schritt\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Ein Treffer im Heimspiel gegen Elche, und nun sogar ein Doppelpack gegen Villarreal:  Weltmeister Shkodran Mustafi kommt nach einigen Anlaufschwierigkeiten bei seinem neuen Klub FC Valencia gerade richtig ins Rollen. Im Interview mit athletic-brandao.de erkl\u00e4rt der Innenverteidiger, warum er froh \u00fcber den holprigen Start ist und warum man auch mal zwei Schritte zur\u00fcck gehen muss, um seine Karriere voranzubringen.<!--more--> <\/p>\n<p><strong>Vor dem Gespr\u00e4ch hei\u00dft es noch kurz, die T\u00fccken des Alltags zu meistern: \u201eShkodran muss eben noch einparken\u201c, sagt Kujtim Mustafi in der Lobby eines F\u00fcnf-Sterne-Hotels nahe am Zentrum von Valencia, mit Blick auf den Gr\u00fcng\u00fcrtel im trockengelegten Bett des Flusses Turia. Zeit f\u00fcr den Vater und Manager des deutschen Nationalspielers, den Rest der Familie vorzustellen &#8211; die Mustafis sind gerade zu Besuch bei ihrem erfolgreichen Sohn. Dann kommt er aber auch, der Weltmeister. Ein schneller Gru\u00df, ein fester H\u00e4ndedruck, in perfektem Spanisch noch einen Cortado bestellt, und los geht\u2018s. Schlie\u00dflich sind es spannende und bewegte Zeiten gerade f\u00fcr den prominenten Neuzugang des FC Valencia, ein Termin jagt den n\u00e4chsten.<\/strong>***<\/p>\n<p>Im Interview mit athletic-brandao.de erkl\u00e4rt der Innenverteidiger, warum er sogar froh ist \u00fcber seinen holprigen Einstand bei den Blanquinegros, den Wei\u00df-Schwarzen; was es bedeutet, im traditionsreichen Stadion \u201eLa Mestalla\u201c einen Treffer zu erzielen und warum seine neue Heimat zum jetzigen Zeitpunkt besser f\u00fcr ihn ist als ein Engagement in der Bundesliga.<\/p>\n<p><strong>athletic-brandao.de: Herr Mustafi, wie ist Ihr Start in Valencia gelaufen?<\/strong><br \/>\n<strong>Shkodran Mustafi:<\/strong> Am Anfang hatte ich noch mit meiner WM-Verletzung zu k\u00e4mpfen&#8230;<\/p>\n<p><strong>&#8230;dem Muskelb\u00fcndelriss aus dem Achtelfinale gegen Algerien&#8230;<\/strong><br \/>\n&#8230;und bei einem Vereinswechsel muss man auch erst Vertrauen zu den neuen \u00c4rzten entwickeln. Das war nicht ganz einfach und hat sich in die L\u00e4nge gezogen. Aber wir haben es super in den Griff bekommen und jetzt bin ich nun sogar froh \u00fcber die Verz\u00f6gerung.<\/p>\n<p><strong>Dass Spieler dar\u00fcber froh sind, ist eher selten.<\/strong><br \/>\nJa, aber in dem Fall war es wirklich schlauer, weil ich in den Spielen beschwerdefrei bin. Bei muskul\u00e4ren Problemen kommt es \u00f6fter vor, dass die Schmerzen weg sind, bevor der Muskel komplett verheilt ist. Die Gefahr ist gro\u00df, zu fr\u00fch wieder einzusteigen. Von daher bin ich sehr dankbar, dass der Verein mich nicht zu fr\u00fch ins kalte Wasser geworfen hat.<\/p>\n<p><strong>Wie sind Sie bei Ihrem Klub aufgenommen worden?<\/strong><br \/>\nSuper. Man merkt schon, wie gl\u00fccklich hier alle sind, einen echten Weltmeister in ihren Reihen zu wissen. Die Leute in Valencia haben mir den Einstieg sehr leicht gemacht.<\/p>\n<p><strong>Gegen Elche haben Sie ihren  ersten Treffer in der Liga erzielt. Beschreiben Sie doch mal das Gef\u00fchl.<\/strong><br \/>\nMeine Aufgabe ist, Tore zu verhindern. Aber wenn ich die Chance habe, bei Standards mit nach vorne zu gehen und der Mannschaft zu helfen, ist das nat\u00fcrlich gro\u00dfartig. Zuhause zu treffen, ist noch sch\u00f6ner&#8230;<\/p>\n<p><strong>&#8230;wegen der Euphorie im traditionsreichen Stadion \u201eLa Mestalla\u201c?<\/strong><br \/>\nDas kann man so sagen. Die Stimmung ist einfach super. Wir haben bislang alle f\u00fcnf Heimspiele gewonnen. Wahnsinn, wie fu\u00dfballverr\u00fcckt alle hier sind.<\/p>\n<p><strong>Im klubeigenen TV haben Sie forsch angek\u00fcndigt, noch einige Treffer erzielen zu wollen in dieser Saison. Haben Sie sich eine Marke gesetzt?<\/strong><br \/>\nNein, keine feste Zahl. Letzte Saison bei Sampdoria Genua habe ich ein Tor gemacht. Hier ist auf jeden Fall noch mehr drin f\u00fcr mich.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Das haben Sie nun bei Villarreal mit zwei Treffern in nur zehn Minuten eindrucksvoll untermauert. Wissen Sie noch, wann Sie zuletzt einen Doppelpack erzielt haben?<\/strong><br \/>\nIch glaube, das ist ein paar J\u00e4hrchen her. Das war in der U17-Nationalmannschaft gegen Luxemburg.<\/p>\n<p><strong>Wie sehr haben Sie sich \u00fcber die beiden Treffer gefreut und wie wichtig sind diese f\u00fcr ihr Standing in Ihrem neuen Klub?\u2028<\/strong><br \/>\nNat\u00fcrlich hinterl\u00e4sst das einen super Eindruck. Aber es ist wichtiger, dass meine Defensivarbeit stimmt, schlie\u00dflich bin ich daf\u00fcr verpflichtet worden. Wenn ich dann noch der Mannschaft mit ein paar Treffern helfen kann, ist das nat\u00fcrlich umso besser!<\/p>\n<p><strong>Wie viel St\u00fcrmer steckt noch in Ihnen. Sie haben ihre Karriere im Angriff begonnen?<\/strong><br \/>\n(lacht) Kein bisschen, ich will die St\u00fcrmer jetzt nur noch \u00e4rgern. Aber im Ernst: Ich bin ja schon vor langer Zeit umgeschult worden und die Abwehr ist mein Zuhause.<\/p>\n<p><strong>Stimmt der Eindruck, dass in Valencia gerade einiges in Bewegung ist?<\/strong><br \/>\nIm Prinzip schon. Es hat ein Umbruch stattgefunden. Die Mannschaft hat sich in der vergangenen Saison nicht f\u00fcr Europa qualifiziert. F\u00fcr einen Verein wie Valencia ist das nicht akzeptabel. Der Anspruch ist einfach, jedes Jahr international mitzuspielen. Daher haben die Verantwortlichen gesagt: Jetzt muss gehandelt werden.<\/p>\n<p><strong>Wie \u00e4u\u00dfert sich das?<\/strong><br \/>\nIch bin erst ein paar Monate her, aber so viel kann ich schon sagen: Der Pr\u00e4sident, der Trainer, der Sportdirektor, der neue Besitzer: Das sind alles seri\u00f6se Leute, die genau wissen, was sie wollen. Welches Spielsystem, welche Spielertypen. Die Ziele sind klar umrissen. Auch mir haben sie genau die Perspektive aufgezeigt. Mein lieber Mann, das war beeindruckend! Nicht auf allen Stationen meiner Karriere durfte ich das so erleben.<\/p>\n<p><strong>So einfach ist das: Ein klares, gemeinsames Ziel, und alle ziehen mit?<\/strong><br \/>\nAbsolut. Ich muss die Mannschaft genauso loben. Wir haben einen sehr jungen Kader mit viel Qualit\u00e4t, aber vor allem haben die Spieler verstanden, dass wir in jedem Spiel hundert Prozent geben m\u00fcssen, um Punkte mitzunehmen. Mit achtzig Prozent durchkommen &#8211; das klappt in dieser Liga nur bei Real Madrid oder beim FC Barcelona.<\/p>\n<p><strong>Gerade in der Abwehr l\u00e4uft es schon erstaunlich gut, trotz der Umw\u00e4lzungen. Eine komplette Viererkette hat der Klub vor der Saison verkauft&#8230;<\/strong><br \/>\nObwohl wir nicht viel Zeit hatten, sind wir schon eingespielt und harmonieren gut. Der Trainer wei\u00df einfach, was er von seinen Spielern verlangen kann.<\/p>\n<p><strong>In Deutschland ist er ein unbeschriebenes Blatt. Was ist das f\u00fcr ein Typ, ihr Trainer Nuno?<\/strong><br \/>\nEr sagt, was er denkt und er wei\u00df, was er will. Oft ist es nicht einfach f\u00fcr einen Trainer, Entscheidungen zu treffen. Bei ihm ist das anders, der Mann hat Charakter. Zum Beispiel hat er mich gebracht, obwohl es zu Saisonbeginn auch ohne mich gut lief und vordergr\u00fcndig keine Notwendigkeit f\u00fcr einen Wechsel bestand. Auch im Erfolg braucht es Mut f\u00fcr \u00c4nderungen.<\/p>\n<p><strong>Warum fiel Ihre Wahl eigentlich auf Spanien?<\/strong><br \/>\nF\u00fcr mich stand nie im Vordergrund, in ein bestimmtes Land zu wechseln. Wir haben von allen Angeboten das beste ausgew\u00e4hlt: Valencia. Der Klub hatte das gr\u00f6\u00dfte Interesse. Die haben nicht nur einmal bei mir angerufen, sondern gleich zehn Mal. Die wollten mich unbedingt. Und nicht nur, weil ich gerade Weltmeister geworden bin. Sie haben mich schon l\u00e4nger beobachtetet und sehr deutlich gemacht, dass sie was mit mir vorhaben. Das war ein sch\u00f6nes Gef\u00fchl. F\u00fcr mich war klar: Es ist Zeit f\u00fcr den n\u00e4chsten Schritt.<\/p>\n<p><strong>Was ist der n\u00e4chste Schritt f\u00fcr eine Spieler, der gerade Weltmeister geworden ist?<\/strong><br \/>\nEs ging mir nicht darum, den Sprung in die absolute Elite zu schaffen. F\u00fcr mich ist es viel wichtiger, dass ich hier wachsen kann. Valencia hat eine junge Mannschaft und ich bin mit meinen 22 Jahren trotzdem einer der \u00c4ltesten! Das hei\u00dft, ich muss von hinten dirigieren und das Team mit f\u00fchren. Das hilft mir, meine Pers\u00f6nlichkeit zu entwickeln. F\u00fcr mich ist das perfekt.<\/p>\n<p><strong>Gab es auch Angebote aus der Bundesliga?<\/strong><br \/>\nKlar. Aus Deutschland, auch aus Italien. Aber so intensiv wie Valencia hat mich kein anderer Klub umworben.<\/p>\n<p><strong>Ihre Karriere verl\u00e4uft ungew\u00f6hnlich. Mit 17 Jahren sind Sie ins Ausland gegangen, zum FC Everton. Und seitdem nie zur\u00fcckgekehrt nach Deutschland. Ist das empfehlenswert, oder sagen Sie: Ich hab\u2018s eher trotzdem geschafft und nicht deswegen?<\/strong><br \/>\nIch kann nur die eine Empfehlung geben: Jeder sollte von seiner Entscheidung \u00fcberzeugt sein. Das motiviert und gibt Kraft, auch in schlechten Zeiten. Nat\u00fcrlich habe ich mal \u00fcberlegt, es in der Bundesliga zu probieren. Das liegt ja nahe. Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, das ist meine Heimat. Aber hier wusste ich einfach: Ich mach diesen Schritt und der sitzt dann auch.<\/p>\n<p><strong>H\u00f6rt sich sehr stringent an&#8230;<\/strong><br \/>\n&#8230;aber einfach war es nicht immer. Nach England bin ich mit hohen Erwartungen gegangen. Obwohl ich sehr jung war, wollte ich es trotz aller Hindernisse in die erste Mannschaft schaffen. Als es dort nicht weiterging, habe ich die Konsequenzen gezogen: Lieber mal zwei Schritte zur\u00fcck und in die zweite Liga nach Italien &#8211; aber daf\u00fcr wieder mit voller \u00dcberzeugung. So lief es bei mir immer, und ich habe es bislang nicht bereut.<\/p>\n<p><strong>Thema Nationalelf: Rechnen Sie sich f\u00fcr den n\u00e4chsten L\u00e4nderspiel-Doppelpack gegen Gibraltar und Spanien Einsatz-Chancen aus?<\/strong><br \/>\nIch bin ganz schlecht im Rechnen und daher rechne ich mir lieber auch nichts aus (lacht). Wenn ich eingeladen werde, bin ich froh. Und wenn ich spiele, freut es mich noch mehr.<\/p>\n<p><strong>Wird das Spiel gegen Spanien in Vigo noch einmal etwas Besonderes f\u00fcr Sie sein?<\/strong><br \/>\nKlar, gegen das Land zu spielen, in dem man lebt und arbeitet, ist immer was Besonderes. Alle Spanier schauen genau hin. Aber letztlich ist es auch nur ein Spiel mit 90 Minuten, in denen ich versuchen werde, m\u00f6glichst wenig falsch und m\u00f6glichst viel richtig zu machen.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>Shkodran Mustafi, 22, ist im nordhessischen Bebra aufgewachsen und hat dort auch das Fu\u00dfballspielen gelernt. Schon mit 14 wechselte der gelernte St\u00fcrmer ins Internat des Hamburger SV, der ihn zum Verteidiger umschulte. Mit 17 Jahren wagte er den Sprung auf die britische Insel zum FC Everton, wo er sich aber nicht durchsetzen konnte. Der n\u00e4chste Schritt des Hessen mit albanischen Wurzeln sa\u00df besser: Mit Sampdoria Genua gelang ihm der Aufstieg in die Serie A. Durch \u00fcberzeugende Leistungen in Italien wurde er interessant f\u00fcr die deutsche Nationalmannschaft. Als Nachr\u00fccker f\u00fcr den verletzten Marco Reus r\u00fcckte er in letzter Minute in den WM-Kader und absolvierte bis zu seiner Verletzung im Achtelfinale gegen Algerien drei Partien f\u00fcr den sp\u00e4teren Weltmeister.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>***Das Interview fand vier Tage vor dem Spiel des FC Valencia bei Villarreal statt. Die beiden Fragen zum Doppelpack hat Shkodran Mustafi freundlicherweise noch nachtr\u00e4glich beantwortet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Treffer im Heimspiel gegen Elche, und nun sogar ein Doppelpack gegen Villarreal: Weltmeister Shkodran Mustafi kommt nach einigen Anlaufschwierigkeiten bei seinem neuen Klub FC Valencia gerade richtig ins Rollen. 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