{"id":1626,"date":"2014-11-10T01:13:57","date_gmt":"2014-11-09T23:13:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=1626"},"modified":"2014-11-27T10:59:09","modified_gmt":"2014-11-27T08:59:09","slug":"comeback-eines-traditionsklubs-%e2%80%a8mustafis-valencia-mischt-die-spanische-liga-auf","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=1626","title":{"rendered":"Comeback eines Traditionsklubs: \u2028Mustafis Valencia mischt die spanische Liga auf"},"content":{"rendered":"<p>Trotz des ersten Punktverlusts vor eigenem Publikum gegen Athletic Bilbao bleibt der FC Valencia die Mannschaft der Stunde in der Primera Division. Noch vor einigen Monaten stand der ruhmreiche Klub am Abgrund.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Gut eine Stunde vor der Partie wird es richtig laut in der Avenida de Suecia inmitten Valencias. Die riesigen Trib\u00fcnen des altehrw\u00fcrdigen Stadions Mestalla auf der einen Seite und die hohen Stadth\u00e4user auf der anderen Seite bilden eine Schlucht, in der sich die ohnehin lauten Fanges\u00e4nge perfekt verfangen. Auf dem ersten Balkon der Arena, riesige Bilder fr\u00fcherer Klub-Helden im Hintergrund, spielt eine Bl\u00e4ser-Combo zum Empfang auf. Der Bus mit den Spielern des FC Valencia ist soeben eingetroffen. Die Kicker in Wei\u00df und Schwarz sollen der fu\u00dfballverr\u00fcckten Metropole am Mittelmeer den Stolz zur\u00fcckgeben.<\/strong><\/p>\n<p>Am 11. Spieltag der Primera Division gegen Athletic Bilbao gelingt das mit einem 0:0 zwar nur teilweise. Es sind die ersten Punkte \u00fcberhaupt, die der FC Valencia vor eigenem Publikum abgibt nach zuvor f\u00fcnf Heimsiegen in Folge. Trotzdem steht der Klub mit 24 Punkten in der spanischen Liga so gut da, wie lange nicht. Die Aficionados haben allen Grund, auf ihr Team stolz zu sein. Als Tabellendritter liegen die Flederm\u00e4use nur einen Z\u00e4hler hinter dem FC Barcelona, und sogar Champions-League-Sieger Real Madrid an der Spitze ist mit drei Z\u00e4hlern Abstand in Reichweite.<\/p>\n<p><strong>Ein Milliard\u00e4r muss her<\/strong><br \/>\nDabei befinden sich die Blanquinegros, die Wei\u00df-Schwarzen, gerade in einem unglaublichen Umbruch &#8211; auf allen Ebenen. Vor der Saison wurde der Kader komplett auf links gedreht: 20 Spieler mussten gehen, 15 wurden neu geholt. \u00d6konomisch hat sich das gelohnt, denn der Klub erwirtschaftete dabei einen \u00dcberschuss von 16 Millionen Euro f\u00fcr die klamme Kasse. Das kann nicht schaden, ist aber nur der ber\u00fchmte Tropfen auf den hei\u00dfen Stein. Denn die Schulden liegen bei 320 Millionen Euro. Vor einigen Monaten stand der Klub deswegen kurz vorm Konkurs. Im Januar gestand Pr\u00e4sident Amadeo Salvo den Mitgliedern, dass es ohne Investor nicht mehr weitergeht.<\/p>\n<p>Aber an das Schreckensszenario Untergang denken die Fans der \u201eChe\u201c heute nicht mehr. Denn ein aus Singapur stammender Milliard\u00e4r hat die Mehrheit am Klub \u00fcbernommen. Der Investor Peter Lim musste sich daf\u00fcr mit dem Gro\u00dfgl\u00e4ubiger \u201eBankia\u201c auf eine Umschuldung einigen, um das Konkursverfahren abzuwenden. 94 Millionen Euro hat Lims \u201eMeriton Holdings Limited\u201c f\u00fcr 70,04 Prozent der Anteile bezahlt. Die Erlaubnis der Beh\u00f6rden zu dem Deal d\u00fcrfte bald erfolgen. Was Lim aus dem Traditionsverein machen will, steht dagegen in den Sternen. Angeblich will er viel Geld ins Team stecken und auch den Stadionrohbau vor den Toren der Stadt bis zum hundertj\u00e4hrigen Jubil\u00e4um des Klubs im Jahr 2019 fertig stellen. Seit Jahren wartet das \u201eNou Mestalla\u201c darauf, seine Bestimmung zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p><strong>Durchlauferhitzer f\u00fcr den Superberater<\/strong><br \/>\nGenauso stellt sich die Frage, ob Valencia f\u00fcr den M\u00e4zen aus Fernost wirklich mehr ist als eine willk\u00fcrliche Wahl. Zuvor hatte der mit Aktienspekulationen zu Reichtum aufgestiegene 61-J\u00e4hrige erfolglos versucht, beim FC Liverpool, dem AC Milan, den Glasgow Rangers und dem FC Middlesbrough ein Bein in die T\u00fcr zu bekommen. Au\u00dferdem besitzt er neuerdings 50 Prozent am unterklassigen englischen Klub Salford City FC, dem Spielzeug der Man-United-Legenden Ryan Giggs, Paul Scholes und der Neville-Br\u00fcder. Angesichts des drohenden Bankrotts nehmen die Fans in Valencia diese Unsicherheit als kleineres \u00dcbel aber gerne hin. Bei seinem ersten Auftritt im ruhmreichen Mestalla mit seiner megasteilen Gegentrib\u00fcne wurde der neue Besitzer sogar mit einer netten Choreo empfangen.<\/p>\n<p>Auch dessen Verbindung zu Jorge Mendes scheint keinen zu st\u00f6ren. Der aktuell wohl einflussreichste Berater in der Welt des Fu\u00dfballs, der Jose Mourinho oder Ronaldo zu seinen Klienten z\u00e4hlt, hat keine offizielle Funktion bei Valencia. \u00dcber Lim hat er sich den Klub aber wohl als neues Spielfeld ausgesucht, um ihn als Durchlauferhitzer zu benutzen. Noch freuen sich die Fans, dass der einflussreiche Portugiese Namen anlockt, die sonst nicht an die Costa del Azahar f\u00e4nden: Wie etwa das 21-j\u00e4hrige Toptalent Andre Gomes, das f\u00fcr 12 Millionen Euro von Benfica Lissabon kam. Spannend wird es, wenn Mendes seine Spieler an Europas Elite weiterreicht &#8211; und dieser Zeitpunkt kommt bestimmt. Alleine vor dieser Saison verdiente er mit den Transfers von Radamel Falcao, Angel di Maria, James Rodriguez oder Diego Costa 30 Millionen Euro an Provision.<\/p>\n<p><strong>Abwehr umgebaut &#8211; Abwehr steht<\/strong><br \/>\nAuch der neue Trainer ist ein Mendes-Z\u00f6gling: Der Portugiese Nuno Espirito Santo, K\u00fcnstlername Nuno, war einst als Ersatzkeeper des FC Porto sein erster Klient \u00fcberhaupt. Der heute 40-J\u00e4hrige ist bislang ein unbeschriebenes Blatt im Business. Beim FC Malaga und bei Panathinaikos Athen verdiente er sich erste Sporen, allerdings als Torwart-Coach. In den vergangenen beiden Jahren betreute er dann als Chef den Rio Ave FC in Portugal. Beim FC Valencia ist er seit Sommer 2012 schon der siebte Trainer, und ob das Karussell n\u00e4chsten Sommer zum Stillstand kommt, ist angesichts seines Ein-Jahres-Vertrages v\u00f6llig offen. Bislang macht er seinen Job aber \u00fcberraschend gut. Nuno scheint einen Plan zu haben, wie er die Mannschaft voranbringt. Anders ist der Erfolg in \u201eLa Liga\u201c nicht zu deuten.<\/p>\n<p>Denn dass die Revolution des Traditionsklubs bislang \u00fcberhaupt sportlich erfolgreich ist, ist das eigentliche Wunder. Der Europa-League-Halbfinalist des vergangenen Jahres hat zum Beispiel seine komplette Viererkette verkauft &#8211; ohne Einbu\u00dfe an Klasse. Au\u00dfenverteidiger Juan Bernat spielt beim FC Bayern (11 Mio. Abl\u00f6se) gro\u00df auf, wird aber an alter Wirkungsst\u00e4tte kaum vermisst. Gleiches gilt f\u00fcr die Frankreich-Fraktion: Abwehrchef Jeremy Mathieu (f\u00fcr 20 Mio. Euro zum FC Barcelona), Adil Rami (4,25 Mio., AC Mailand) und Aly Cissokho (3 Mio., Aston Villa). In dem fr\u00fcheren argentinischen Nationalspieler Nicolas Ortamendi (f\u00fcr 12 Mio. Euro vom FC Porto) und in Weltmeister Shkodran Mustafi (f\u00fcr 8 Mio. von Sampdoria Genua) hat Valencia Ersatz gefunden. Mit nur neun Gegentoren steht die Defensive top da, nur Barcelona kassierte bislang weniger Gegentreffer. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres waren es schon zehn mehr f\u00fcr den sp\u00e4teren Tabellenachten.<\/p>\n<p><strong>Del Bosque interessiert das noch nicht<\/strong><br \/>\nAu\u00dferdem ist die Mannschaft extrem verj\u00fcngt worden, auf ein Durchschnittsalter von gut 24 Jahren. Kapit\u00e4n und Spielmacher Dani Parejo ist mit 25 schon ein Routinier. Linksverteidiger Jose Luis Gaya ist erst 19, St\u00fcrmer Paco Alcacer 21, Sturmhoffnung Rodrigo 23 Jahre alt. Die Spieler sehen das positiv, so wie zum Beispiel Mustafi: \u201eIch bin mit meinen 22 Jahren einer der \u00c4ltesten! Das hei\u00dft, ich muss von hinten dirigieren und das Team mit f\u00fchren. Das hilft mir, meine Pers\u00f6nlichkeit zu entwickeln.\u201c Der fr\u00fchere Nationalst\u00fcrmer Alvaro Negredo f\u00e4llt mit 29 Jahren aus der Rolle, er ist von Manchester City ausgeliehen.<\/p>\n<p>Valencia ist das Team der Stunde in Spanien. Nur Vicente del Bosque scheint das noch nicht zu interessieren. F\u00fcr die n\u00e4chsten L\u00e4nderspiele in der EM-Qualifikation gegen Wei\u00dfrussland und das prestigetr\u00e4chtige Testspiel gegen Deutschland in Vigo hat der Nationaltrainer nur Angreifer Alcacer von den Wei\u00df-Schwarzen eingeladen, mit vier Toren erfolgreichster Sch\u00fctze Valencias &#8211; daf\u00fcr aber gleich vier Neulinge anderer Klubs.<\/p>\n<p><strong>Duelle gegen Barcelona und Real kommen erst noch<\/strong><br \/>\nAber vielleicht ist es den Klubverantwortlichen auch erst mal ganz recht, dass ihre Mannschaft die L\u00e4nderspielwoche zum weiteren Einspielen nutzen kann. Zu tun bleibt immer noch genug, das l\u00e4sst sich trotz der j\u00fcngsten Liga-Erfolge sicher sagen. Schlie\u00dflich wollen die Erben eines Rainer Bonhof, Mario Kempes, Santiago Canizares oder David Villa irgendwann an die gro\u00dfen Erfolge fr\u00fcherer Tage ankn\u00fcpfen: 1980 feierte der Klub den Gewinn des Europapokals der Pokalsieger, 2000 und 2001 schaffte er es bis ins Finale der Champions League, 2004 ging der UEFA-Cup in die Hafenstadt. 2002 und 2004 gelangen die bislang letzten beiden von insgesamt sechs spanischen Meisterschaften.<\/p>\n<p>Ganz Valencia tr\u00e4umt davon, endlich wieder die Phalanx der Branchenf\u00fchrer zu brechen. Als \u201edas neue Atletico\u201c &#8211; wie schon gejubelt wurde &#8211; geht der Klub zwar nicht durch. Dazu ist die Spielweise bislang doch zu bieder. Noch fehlt Valencia die Aggressivit\u00e4t und der Punch des aktuellen Champions, oder die spielerische Klasse der beiden Gro\u00dfen, Real und Barcelona, gegen die sich Valencia in der Liga auch erst noch beweisen muss. Doch der unerwartet gute Saisonstart gibt zumindest Anlass zur Hoffnung, dass in der Avenida de Suecia auch in n\u00e4chster Zeit tolle Empf\u00e4nge gefeiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotz des ersten Punktverlusts vor eigenem Publikum gegen Athletic Bilbao bleibt der FC Valencia die Mannschaft der Stunde in der Primera Division. 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