{"id":1753,"date":"2015-03-29T20:06:07","date_gmt":"2015-03-29T18:06:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=1753"},"modified":"2015-04-02T20:30:39","modified_gmt":"2015-04-02T18:30:39","slug":"levan-kobiashvili-georgiens-liga-ist-das-grosse-problem","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=1753","title":{"rendered":"Levan Kobiashvili: \u201eGeorgiens Liga ist das gro\u00dfe Problem\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Der fr\u00fchere Bundesliga-Spieler will Pr\u00e4sident des Fu\u00dfballverbandes seiner Heimat werden. Kobiashvili setzt auf Aufbruchstimmung und erhofft sich gr\u00f6\u00dfere N\u00e4he zu Europa.<!--more--><\/p>\n<p><strong>F\u00fcr Levan Kobiashvili ist es gerade die vielleicht stressigste Zeit seiner Karriere, aber auch eine sehr sch\u00f6ne. Vor dem EM-Qualifikationsspiel Georgiens gegen Weltmeister Deutschland ist der 37-J\u00e4hrige auf Stippvisite in der Heimat und eilt von Termin zu Termin. \u201eIch gebe gerade mehr Interviews als in meiner gesamten Zeit als Profi\u201c, sagt der fr\u00fchere Bundesliga-Spieler mit einem Augenzwinkern.<\/strong><\/p>\n<p>Er nimmt sich gerne die Zeit f\u00fcr ein Treffen nahe des Freiheitsplatzes in der Hauptstadt Tiflis. Mit 351 Bundesligaspielen auf dem Buckel ist er ein gefragter Ansprechpartner, als Rekordnationalspieler seines Landes sowieso. Im Herbst k\u00f6nnte noch ein weiteres wichtiges Merkmal hinzukommen: Kobiashvili will tats\u00e4chlich Pr\u00e4sident des georgischen Fu\u00dfballverbandes werden.<\/p>\n<p><strong>Geld f\u00fcr Ausw\u00e4rtsfahrten fehlt<\/strong><br \/>\nZu ver\u00e4ndern gibt es genug im Fu\u00dfball seiner Heimat. Denn w\u00e4hrend Kobiashvili 16 Jahre lang fort war und beim SC Freiburg, dem FC Schalke und bei Hertha BSC eine eindrucksvolle Karriere hinlegte, hat sich sein Sport in Georgien zur\u00fcckentwickelt. Dass die Nationalelf auf Rang 126 der FIFA-Weltrangliste abst\u00fcrzte ist nur das deutlichste Zeichen. \u201eDie Liga ist das gro\u00dfe Problem\u201c, sagt Kobiashvili. Dort muss der Hebel angesetzt werden. Zurzeit verf\u00fcgen die Klubs \u00fcber keine nennenswerte Einnahmen. TV-\u00dcbertragungen sind selten und wenig lukrativ, auch der Ticketverkauf bringt nicht viel Geld. \u201eDer Zuschauerschnitt hier ist l\u00e4cherlich. Da sind ja bei einem Training des FC Schalke fast mehr Fans\u201c, sagt der 100-malige georgische Auswahlspieler und lacht. Aktuell seien die Finanzprobleme so gro\u00df, dass zwei Teams nicht einmal das Geld f\u00fcr Ausw\u00e4rtsfahrten zusammenbek\u00e4men.<\/p>\n<p><strong>Ein breitere Basis muss her<\/strong><br \/>\nLediglich sein fr\u00fcherer Klub Dinamo Tiflis bilde da eine Ausnahme, weil der Klub einen milliardenschweren Unternehmer im Hintergrund hat. Georgiens Vorzeigeklub leistet sich weiter eine umfangreiche Jugendarbeit. Um ein Ausrufezeichen in Europa zu setzen, reicht es aber auch f\u00fcr den Serienmeister seit langer Zeit nicht mehr. Seit der Unabh\u00e4ngigkeit des Landes im Jahr 1991 hat sich der Klub nicht f\u00fcr einen europ\u00e4ischen Wettbewerb qualifiziert. Der Konkurrenzkampf zuhause ist zu wenig herausfordernd und h\u00e4lt den stolzen Europapokalsieger der Pokalsieger von 1981 sportlich am Boden. Sollte Kobiashvili wirklich Verbands-Pr\u00e4sident werden, d\u00fcrfte das Hauptaugenmerk darauf liegen, alle Klubs zu st\u00e4rken und die Nachwuchsarbeit auf eine breitere Basis zu stellen.<\/p>\n<p><strong>Kobiashvili hat sich einiges vorgenommen<\/strong><br \/>\nAn Aufbruchstimmung mangelt es jedenfalls nicht, dazu muss man sich nur in der Hauptstadt umschauen. Es wird an allen Ecken und Enden gewerkelt wird. \u201eWas hier in Tiflis seit einigen Jahren passiert, ist wirklich sehr positiv\u201c, sagt Kobiashvili, der im Sommer seinen Job in der Jugendakademie bei Hertha BSC aufgeben wird und fest in die Heimat zur\u00fcckgehen will. Um den Wahlkampf vorzubereiten, Konzepte auszuarbeiten und sein Netzwerk zu st\u00e4rken, dass nach eigener Aussage schon jetzt ordentlich ist. Sein fr\u00fcherer Nationalmannschaftskollege Kacha Kaladse etwa hat es f\u00fcr die aktuelle Regierungspartei Georgischer Traum 2012 bis zum Energieminister gebracht. Kobiashvili hat sich einiges vorgenommen und wirkt sehr entschieden.<\/p>\n<p><strong>Der Blick geht nach Europa<\/strong><br \/>\nEinen Schatten auf den Aufw\u00e4rtstrend in Georgien wirft die politische Lage der Region. Vergleiche mit der Ukraine sind nicht von der Hand zu weisen. Seit dem Kaukasus-Krieg 2008 sind die Landesteile S\u00fcdossetien und Abchasien de facto vom gro\u00dfen Nachbarn besetzt: \u201eDas russische Milit\u00e4r steht 60 Kilometer von Tiflis entfernt. Wenn die wollen, k\u00f6nnen die jeden Tag hier einmarschieren\u201c, gibt Kobiashvili zu bedenken. Wladimir Putins Traum von Neurussland, von der Auferstehung der alten Sowjetunion, h\u00e4ngt drohend \u00fcber Georgien wie \u00fcber der Ost-Ukraine. F\u00fcr Kobiashvili und die meisten seiner 4,5 Millionen Landsleute geht der Blick l\u00e4ngst nach Westen. \u201eNeunzig Prozent der Georgier wollen nach Europa, in die EU und in die NATO\u201c, berichtet Kobiashvili. Dass der deutsche Bundestag gerade diese Woche das Assoziierungsabkommen mit Georgien, der Ukraine und Moldau auf den Weg gebracht hat, macht die Menschen jedenfalls sehr froh. Schon am Flughafen in Tiflis werden die G\u00e4ste mit entsprechenden Plakaten begr\u00fc\u00dft.  <\/p>\n<p><strong>Im August blickt die Fu\u00dfballwelt erneut nach Tiflis<\/strong><br \/>\nDas aktuelle Spiel in der EM-Qualifikation ist daher eine perfekte Gelegenheit f\u00fcr Georgien, von der \u00f6stlichen Peripherie in den Fokus zu r\u00fccken, wenn auch nur kurz. \u201eWir sind gute Gastgeber. Das ist f\u00fcr uns das Spiel des Jahres\u201c, so Kobiashvili. Auf den Tag zwanzig Jahre nach dem ersten Duell mit Deutschland, einer 0:2-Heimniederlage in Tiflis gegen den sp\u00e4teren Europameister, will der Au\u00dfenseiter den Favoriten ein wenig \u00e4rgern. \u201eWir k\u00f6nnen als Gegner ungem\u00fctlich sein\u201c, sagt der fr\u00fchere Allrounder, der im Mittelfeld und auf der linken Abwehrseite zuhause war und es immerhin auf 32 Bundesliga-Tore brachte.<\/p>\n<p>Unter dem neuen Nationaltrainer Kachaber Zchadadse, der am vergangenen Mittwoch mit einem 2:0-Sieg \u00fcber Malta einen ordentlichen Einstand feierte, soll es mittelfristig wieder bergauf gehen. Sture Defensivtaktik werde es nicht mehr geben, selbst gegen gro\u00dfe Gegner. \u201eEr l\u00e4sst den Spielern Freiheiten und steht f\u00fcr Offensivfu\u00dfball.\u201c Direkt nach dem Duell mit dem Weltmeister ist dann auch architektonisch Aufbruch angesagt. Das Boris-Paitschadse Nationalstadion soll f\u00fcr 30 Millionen Euro runderneuert werden: Am 11. August ist die UEFA mit dem europ\u00e4ischen Supercup zu Gast, dem Spiel des Champions-League-Siegers gegen den Gewinner der Europa League. Dann steht Georgien f\u00fcr einen weiteren Abend im Mittelpunkt der europ\u00e4ischen Fu\u00dfballwelt, sehr zu Kobiashvilis Freude.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der fr\u00fchere Bundesliga-Spieler will Pr\u00e4sident des Fu\u00dfballverbandes seiner Heimat werden. 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