{"id":1963,"date":"2015-11-16T11:01:59","date_gmt":"2015-11-16T09:01:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=1963"},"modified":"2016-08-28T17:57:18","modified_gmt":"2016-08-28T15:57:18","slug":"testspiel-zwischen-trauer-trotz-und-terror","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=1963","title":{"rendered":"Testspiel zwischen Trauer, Trotz und Terror"},"content":{"rendered":"<p>Nach den Anschl\u00e4gen von Paris will die Nationalmannschaft nicht einfach nur zur Normalit\u00e4t zur\u00fcckkehren. Mit dem L\u00e4nderspiel gegen Holland m\u00f6chte der DFB auch ein Zeichen setzen f\u00fcr die westliche Wertegemeinschaft &#8211; und dabei doch dem\u00fctig bleiben. Ein schwieriger Spagat.<!--more--><\/p>\n<p><em>(*Dieser Artikel lief am 17.11.2015 bei <a href=\"http:\/\/www.zdfsport.de\/fussball-laenderspiel-deutschland-niederlande-schwieriger-spagat-fuer-loews-mannschaft-41004382.html\" target=\"_blank\">zdfsport.de<\/a>*)<\/em><\/p>\n<p><strong>Der Weg durch die Katakomben zum Rasen &#8211; am Dienstag in Hannover wird er f\u00fcr die deutsche Nationalmannschaft ein besonderer sein. Unweigerlich wird die Erinnerung hochkommen an die schreckliche Nacht von Paris, als drau\u00dfen auf den Stra\u00dfen der Terror tobte und die Weltmeister stundenlang im Bauch des Stade de France gefangen waren.<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr das Team von Bundestrainer Joachim L\u00f6w bietet das Duell mit der niederl\u00e4ndischen \u201eElftal\u201c die Chance, m\u00f6glichst rasch und aktiv den Albtraum zu verarbeiten. F\u00fcr den Sport, der wom\u00f6glich ein Ziel der m\u00f6rderischen Anschl\u00e4ge war, soll es noch viel mehr bedeuten.<\/p>\n<p><strong>Das Ringen um Worte und Signale<\/strong><br \/>\n&#8220;Wir m\u00fcssen uns gemeinsam dem Terror entgegenstellen. Der Fu\u00dfball hat in diesem Moment auch eine wichtige gesellschaftspolitische Funktion\u201c, sagte Rainer Koch. Der \u00dcbergangspr\u00e4sident des skandalgeplagten Deutschen Fu\u00dfball-Bundes wandte sich schon im &#8220;aktuellen sportstudio\u201c gegen eine Absage des letzten L\u00e4nderspiels des Jahres 2015, ehe der Verband seiner Einsch\u00e4tzung folgte. &#8220;Die Botschaft ist klar: Wir lassen uns nicht einsch\u00fcchtern\u201c, legte Kochs Amtskollege Reinhard Rauball in der offiziellen Presseerkl\u00e4rung des DFB nach.<\/p>\n<p>Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff ging noch einen Schritt weiter: &#8220;Wir wollen als Mannschaft ein Zeichen der Gemeinschaft setzen. Mit dem franz\u00f6sischen Volk, mit den Angeh\u00f6rigen der Opfer.\u201c Wenige Monate vor Beginn des EM-Turniers im Nachbarland ringen die Fu\u00dfballfunktion\u00e4re um angemessene Worte und Signale und laufen doch stets Gefahr, ihren Sport mit Erwartungen zu \u00fcberfordern.<\/p>\n<p><strong>Absage keine Option<\/strong><br \/>\nNicht weniger als die westlichen Werte waren das Ziel der Attent\u00e4ter: Das Leben zu feiern und nicht den Tod, in Freiheit und selbstbestimmt. Oder konkret an jenem Abend: Der Genuss eines Spiels von Les Bleus im franz\u00f6sischen Nationalstadion; die gel\u00f6ste Wochenendstimmung in den \u00fcbervollen Kneipen und Restaurants des 10. und 11. Arrondissements; ein Musikkonzert im beliebten &#8220;Bataclan\u201c, wo die meisten der \u00fcber 120 Toten zu beklagen waren.<\/p>\n<p>Daher stand der Klassiker gegen Oranje wohl auch nie ernsthaft auf der Kippe. Eine Absage h\u00e4tte als \u00e4ngstliches Zur\u00fcckweichen vor dem Terror interpretiert werden k\u00f6nnen. Nach der Entscheidung der Equipe Tricolore, ihrerseits am Test in England festzuhalten, war sie ohnehin keine Option mehr.<\/p>\n<p><strong>Elbers Friedenstaube als Vorbild<\/strong><br \/>\nNun m\u00f6chte der DFB das Beste aus der heiklen Situation machen und Flagge zeigen: Solidarit\u00e4t mit Frankreich, Trauer um die Toten, Hochhalten westlicher Werte &#8211; ohne dabei berechtigte Sorgen \u00fcber die Sicherheit herunterzuspielen. Wie das konkret aussehen soll, ist unklar. Zumal sich der Fu\u00dfball nicht zu sehr aufplustern sollte. Es gibt Wichtigeres im Leben, diese Lektion nehmen alle mit aus der m\u00f6rderischen Freitagnacht.<\/p>\n<p>Es besteht stets die Gefahr, ins Pathetische abzurutschen oder ins Peinliche. Wie bei einem Torjubel, der mit einer Opfer-Widmung \u00fcberfrachtet werden k\u00f6nnte. Dass eine solche Geste kommt &#8211; danach l\u00e4sst sich wohl die Uhr stellen. Nicht jeder ist darin so versiert wie Bayern-St\u00fcrmer Giovane Elber, der nach den Anschl\u00e4gen vom 11. September 2001 mit den H\u00e4nden eine Friedenstaube formte und mit dieser feinen Symbolik richtig lag.<\/p>\n<p><strong>Unterdr\u00fccken die Fans ihre Schadenfreude?<\/strong><br \/>\nSicher ist bislang nur, dass es in Hannover eine Gedenkminute geben wird und die Spieler &#8211; wie zurzeit alle Akteure im Geltungsbereich der UEFA &#8211; einen Trauerflor tragen werden. Dass keine &#8220;La Ola\u201c-geschw\u00e4ngerte Partystimmung entstehen kann oder soll, versteht sich von selbst.<\/p>\n<p>Es w\u00fcrde schon reichen, wenn die Fans piet\u00e4tvoller reagieren als im Regionalliga-Derby zwischen Rot-Wei\u00df Oberhausen und Rot-Weiss Essen, in dem keine 48 Stunden nach den Anschl\u00e4gen von Paris B\u00f6ller und Pyrotechnik auf die klugen Worte des Stadionsprechers folgten. Dazu w\u00fcrde geh\u00f6ren, dass die Anh\u00e4nger der DFB-Elf ihren Impuls unterdr\u00fccken, die nicht qualifizierten G\u00e4ste auf ein &#8220;Ohne Holland fahr\u2019n wir zur EM\u201c-Spie\u00dfrutenlaufen zu schicken.<\/p>\n<p><strong>&#8220;Trauerfolklore mit Hashtag\u201c<\/strong><br \/>\nDeutschlands Nationalspielern bietet sich die M\u00f6glichkeit, ihre Stimme wiederzufinden. Nach dem Schlusspfiff im Stade de France konnten sie ihre Sicht der Dinge nicht mehr schildern. Zum Teil unfreiwillig, weil auf Interviews verzichtet und die Mannschaft nach der Heimreise vorerst zu ihren Familien entlassen wurde &#8211; beides richtige Entscheidungen. Weil sich so aber nur \u00fcber soziale Netzwerke Kommentare verbreiteten, mussten sich die Akteure von der Zeitung &#8220;Die Welt\u201c sogar f\u00fcr &#8220;Trauerfolklore mit Hashtag\u201c kritisieren lassen.<\/p>\n<p>Das werden die Spieler nicht so stehen lassen wollen &#8211; die Aufarbeitung hat auch f\u00fcr sie gerade erst begonnen. &#8220;Das gesamte Team &#8211; Spieler, Trainer und Betreuer &#8211; ist immer noch stark betroffen\u201c, sagte Manager Bierhoff und warb um Verst\u00e4ndnis. Sp\u00e4testens beim n\u00e4chsten Bundesliga-Spieltag w\u00e4ren die Nachfragen aufgetaucht. Vielleicht ist es gut, sie nun schon im zeitlich nahen Umfeld eines zweiten L\u00e4nderspiels zu stellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach den Anschl\u00e4gen von Paris will die Nationalmannschaft nicht einfach nur zur Normalit\u00e4t zur\u00fcckkehren. 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