{"id":2044,"date":"2016-09-13T08:57:52","date_gmt":"2016-09-13T06:57:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=2044"},"modified":"2016-12-13T12:17:08","modified_gmt":"2016-12-13T10:17:08","slug":"borussia-dortmunds-reise-zum-mond","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=2044","title":{"rendered":"Borussia Dortmunds Reise zum Mond"},"content":{"rendered":"<p>Die Westfalen legen alle Zur\u00fcckhaltung ab und greifen in der Champions League nun Europas Geldadel an. Eine Auftaktpleite bei Legia Warschau ist im ambitionierten BVB-Plan nicht vorgesehen.<!--more--><\/p>\n<p>(*Dieser Artikel lief am 13.9.2016 bei <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/sport\/fussball-champions-league-legia-warschau-gegen-bvb-dortmunds-100.html\">zdfsport.de<\/a>*)<\/p>\n<p><strong>Im &#8220;Spagat zwischen Shanghai und Borsigplatz\u201c hei\u00dft die erste Station f\u00fcr Borussia Dortmund erst einmal Warschau. Zum Auftakt der Champions League muss der BVB bei  Polens Meister Legia ran. Bei allem Respekt &#8211; ein echter Konkurrent ist der K\u00f6nigsklassen-Deb\u00fctant nicht. Schwarz-Gelb will sich inzwischen lieber mit Global Playern messen. Mit Manchester United etwa, auch wenn der englische Umsatzriese dieses Jahr nur Europa League spielt, oder mit Manchester City.<\/strong><\/p>\n<p>Gegen beide trug Dortmund j\u00fcngst in Fernost lukrative Testspiele aus. Auf dieser Asienreise hat der BVB wohl auch beschlossen, zur Weltmarke aufzusteigen. Vor dem Saisonstart sch\u00fcttelt Klub-Chef Hans-Joachim Watzke jedenfalls alle westf\u00e4lische Bodenst\u00e4ndigkeit ab und verk\u00fcndet forsch seine Vision: &#8220;Wir wollen jetzt mit den gro\u00dfen Fischen schwimmen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Wachstum, Wachstum, Wachstum<\/strong><\/p>\n<p>Der ehrgeizige Unternehmer hat die Top-Ten Europas als Vereinsziel identifiziert: &#8220;Nur die zehn, zw\u00f6lf gr\u00f6\u00dften Klubs stehen im Fokus der Sponsoren. Da m\u00fcssen wir dabei sein\u201c, forderte er k\u00fcrzlich auf der Bilanz-PK der b\u00f6rsennotierten GmbH und Co. KgaA.<\/p>\n<p>Deren Leitmotiv war unmissverst\u00e4ndlich: Wachstum! Dank des spektakul\u00e4ren Transfersommers mit teuren Verk\u00e4ufen von Spielern wie Mats Hummels oder Ilkay G\u00fcndogan pr\u00e4sentierte Dortmund einen Rekordumsatz von 376 Millionen Euro, der laut Watzke nur ein Zwischenschritt ist: &#8220;Wir wollen die 400-Millionen-Marke knacken.\u201c<\/p>\n<p><strong>Den Weltmarkt im Visier<\/strong><\/p>\n<p>Watzke hat die Zeichen der Zeit erkannt. In der Meisterschaft, die sich immer weiter vom Faktor Spannung entkoppelt, hat Dortmund die Decke erreicht. In der Champions League zwingt die f\u00fcr 2018\/19 beschlossene Reform alle ambitionierten Klubs, sich jetzt in Stellung zu bringen. Wer die Chance verpasst, ist weg vom Fenster.<\/p>\n<p>Denn im Prinzip haben die UEFA als Ausrichter und die European Club Organisation als Gremium der wichtigsten Vereine des Kontinents beschlossen, Europas Fu\u00dfball zu spalten: Die vier Top-Ligen bekommen je vier feste Startpl\u00e4tze, die Honorare der K\u00f6nigsklasse werden in etwa verdoppelt, der f\u00fcr die Formation der Gruppen wichtige UEFA-Koeffizient ber\u00fccksichtigt k\u00fcnftig fr\u00fchere Erfolge. Das zementiert den Status Quo der Etablierten.<\/p>\n<p><strong>Chance nutzen<\/strong><\/p>\n<p>Wie seit Ende der Achtziger in der Bundesliga, als der FC Bayern den Start des Privatfernsehens mit Geschick und Gl\u00fcck nutzte, um seinen Vorsprung auf Jahre auszubauen, und diesen sp\u00e4ter mit einem zwielichtigen Geheimvertrag mit TV-Mogul Leo Kirch absicherte, gilt es nun international die Gelegenheit zu ergreifen.<\/p>\n<p>Die besten Klubs der K\u00f6nigsklasse k\u00f6nnen mit ihrer Popularit\u00e4t weltweit Kasse machen. Neben Asien locken die USA, auf diesen Markt will der BVB schon in zwei Jahren den Bayern folgen. Selbst Mittelamerika soll mittelfristig der schwarz-gelben Strahlkraft erliegen. Was sich heute anh\u00f6rt wie eine Reise zum Mond, k\u00f6nnte in wenigen Jahren Realit\u00e4t sein.<\/p>\n<p><strong>Ungl\u00fcckliche Wortwahl<\/strong><\/p>\n<p>Dortmunds Wachstumskurs bietet Chancen &#8211; und schafft Probleme. Beispiel Supercup 2016: Beim Duell mit Meister M\u00fcnchen ersetzten zahlreiche Tagesg\u00e4ste den Stamm der noch fu\u00dfballm\u00fcden 55.000 Dauerkarteninhaber. Das bescherte dem BVB im Fanshop die Rekord-Tageseinnahme von 400.000 Euro. Daf\u00fcr herrschte im fr\u00fcheren Westfalenstadion eher kollektiv Familienblock-Stimmung.<\/p>\n<p>Dazu rumort es an der Basis. Die R\u00fcckkehr von Reizfigur Mario G\u00f6tze scheint noch das geringste Problem. Einige Ultras sind sauer, dass ihnen die Ausw\u00e4rts-Dauerkarten entzogen wurden. Der Kuschelkurs mit dem FC Bayern ist nicht jedem recht. Das Wintertrainingslager in Dubai bleibt umstritten, zumal Watzkes BWLer-Diktion nachhallt: &#8220;Wenn wir nur noch in Destinationen gehen, wo Menschenrechte zu hundert Prozent erf\u00fcllt werden, sind wir auf der Welt irgendwann alleine.\u201c<\/p>\n<p><strong>Interne Kritik am BVB-Kurs<\/strong><\/p>\n<p>Der Umgang mit alten Helden wie Jakub Blaszczykowski oder Neven Subotic sorgte f\u00fcr Unmut, ebenso angef\u00fcttert durch Spr\u00fcche des BVB-Chefs: &#8220;Sollen alle Identifikationsfiguren spielen, bis sie 50 Jahre alt sind?\u201c In Fanklubs regt sich Widerstand, die &#8220;Echte Liebe\u201c endg\u00fcltig als Marketing-Claim zu enttarnen. Im Netz wird geunkt, der Klub sei nun wie Bayern &#8211; nur ohne Titel. Beim Liga-Auftakt musste sich der Chef Kritik der S\u00fcdtrib\u00fcne gefallen lassen: &#8220;Watzke: viele Worte, wenig Taten. Identifikationsverlust auf Raten.\u201c<\/p>\n<p>Allein mit dem Versprechen, Ticket-, Wurst- und Bierpreise stabil zu halten, wird er die Hardcore-Fans nicht tr\u00f6sten, denn der Weg r\u00fcttelt an ihren moralischen Grundfesten: Wie sollen sendungsbewusste BVB-Traditionalisten gegen Retortenklubs wettern, wenn selbst RB Leipzig im Vergleich zu den Welteroberern wie ein nettes Start-Up daherkommt?<\/p>\n<p><strong>Druck w\u00e4chst<\/strong><\/p>\n<p>Zudem w\u00e4chst sportlich der Druck. Die K\u00f6nigsklasse wird bei Watzkes Vorgabe zum Muss, zumal die Personalkosten stetig steigen. In dieser Saison wird der Kader-Etat klar \u00fcber hundert Millionen Euro liegen, etwa doppelt so hoch wie im Meisterjahr 2011. Dabei hat Trainer Thomas Tuchel mit seinem Team aktuell den gr\u00f6\u00dften Umbuch der j\u00fcngeren Vereinsgeschichte zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p>Die erneute direkte Qualifikation f\u00fcr die K\u00f6nigsklasse ist kein Selbstl\u00e4ufer. Wie gro\u00df die Anpassungs-Probleme sind, war zum Saisonstart beim knappen Sieg \u00fcber Mainz und erst recht bei der Pleite in Leipzig zu sehen. Sp\u00e4testens \u00fcbernachste Saison wird sogar das \u00dcberwintern in der Champions League Pflicht, da es dann mit 50 Millionen Euro aufw\u00e4rts verg\u00fctet ist. Nur die regelm\u00e4\u00dfige Achtelfinal-Teilnahme lie\u00dfe Watzkes Vision Wirklichkeit werden, mit den gro\u00dfen Fischen zu schwimmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Westfalen legen alle Zur\u00fcckhaltung ab und greifen in der Champions League nun Europas Geldadel an. 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