{"id":2130,"date":"2016-12-10T12:17:47","date_gmt":"2016-12-10T10:17:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=2130"},"modified":"2016-12-28T12:25:37","modified_gmt":"2016-12-28T10:25:37","slug":"baustein-fuer-die-neue-borussia","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=2130","title":{"rendered":"Baustein f\u00fcr die neue Borussia"},"content":{"rendered":"<p>Stratege Julian Weigl hat sich in Rekordzeit beim BVB etabliert. Selbst eine erste Formdelle zeigt, wie unglaublich wichtig der Mittelfeldspieler f\u00fcr Dortmunds Gegenwart und Zukunft schon ist.<!--more--><\/p>\n<p>(*Dieser Artikel lief am 9. und 10.12.2016 bei <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/sport\/das-aktuelle-sportstudio\/das-aktuelle-sportstudio-vom-10-dezember-2016-100.html\" target=\"_blank\">zdfsport.de<\/a>*)<\/p>\n<p><strong>Es ging schon stramm auf Mitternacht zu, als sich Julian Weigl in Madrid durch die Pressemeute k\u00e4mpfte. Selbst spanische TV-Journalisten wollten den Bauch des ehrw\u00fcrdigen Estadio Santiago Bernabeu nicht ohne ein Statement des schm\u00e4chtigen Jungstars von Borussia Dortmund verlassen.<\/strong><\/p>\n<p>Mit einem offenen Grinsen deutete der 21-J\u00e4hrige das spektakul\u00e4re 2:2-Remis, mit sein BVB den ersten Rang in der Champions-League-Gruppe F sicherte. Fragen nach seiner Zukunft schickte er ein l\u00e4ssiges \u201eI am happy in Dortmund\u201c hinterher. Weigls Stimme ist gefragt in einem Team mit hohem europ\u00e4ischen Anspruch, das im Jahr des Umbruchs noch die eigene Mitte sucht.<\/p>\n<p><strong>Passmaschine pl\u00f6tzlich in der Kritik<\/strong><\/p>\n<p>Dabei ist es gerade einmal gut anderthalb Spielzeiten her, dass Weigl im Trikot von 1860 M\u00fcnchen in zugigen Zweitliga-Mixed-Zonen befragt wurde. Nun ist alles zwei Klassen gr\u00f6\u00dfer, wichtiger &#8211; und schwieriger. Dortmunds Dauerbrenner, der nur 4 von 22 Saisonspielen verpasst hat, tr\u00e4gt gro\u00dfe Verantwortung und kann einem dabei manchmal ein wenig leid tun.<\/p>\n<p>Denn wie so oft im Fu\u00dfball-Gesch\u00e4ft schlug das Pendel zuletzt zur\u00fcck. Nach dem Dauerlob der Premierensaison wurden aktuelle Probleme der Achterbahn-Borussia dem Mittelfeldspieler angelastet. Ob das den oft hakenden Spielaufbau betrifft oder seine Kernaufgabe, die defensive Absicherung. \u201eDer meist \u00fcbersch\u00e4tzte Spieler der Liga\u201c, schimpfte der twitternde Fu\u00dfballphilosoph Wolfram Eilenberger j\u00fcngst. Gen\u00fcsslich zerlegten Kritiker das gr\u00f6\u00dfte statistische Plus der Passmaschine Weigl: die \u00fcberragende Zahl von Anspielen und deren Genauigkeit.<\/p>\n<p><strong>Mr. Unersetzlich oft alleine gelassen<\/strong><\/p>\n<p>Selbst der von Weigl aufgestellte Liga-Rekord von 214 P\u00e4ssen in einer einzigen Partie, die er nicht einmal bis zum Ende bestritt, sei \u00fcberbewertet. Schlie\u00dflich h\u00e4tten noch so viele Sicherheitsb\u00e4lle nie den gleichen Wert wie Steilp\u00e4sse in die Spitze, wie etwa Toni Kroos sie bei Real Madrid so meisterhaft liefert. Ironie der Geschichte, dass nicht Weltmeister Kroos, sondern Weigl nun beim Duell in Madrid ein entscheidender Traumpass gelang: Mit einem l\u00e4ssigen 30-Meter-Lupfer \u00fcber die Abwehr des Titelverteidigers brachte er Dortmund vorm Anschlusstreffer zur\u00fcck ins Spiel.<\/p>\n<p>Die Kritik wird Weigl ohnehin nicht gerecht. Denn obwohl er sich inzwischen auch Risikop\u00e4sse wie in Madrid zutraut, ist er kein Spielmacher, sondern ein Weichensteller. Mit einer Zweikampfquote von 64 Prozent geh\u00f6rt er weiter ligaweit zu den Besten &#8211; er kann eine Partie z\u00e4hmen, ordnen und den Kreativ-K\u00fcnstlern Raum geben. Doch die schwanken in ihren Leistungen oder fehlen ganz. So f\u00fcllt bislang niemand das Vakuum, das Mats Hummels beim Spielaufbau hinterlie\u00df. Der designierte Nachfolger Marc Bartra hinkt den Anspr\u00fcchen hinterher und der neue Abwehrchef Sokratis ist nicht der Typ f\u00fcr diese Aufgabe. Im Gegensatz zur Saison 2015\/16, die der BVB mit 78 Punkten als bester Zweiter der Liga-Geschichte abschloss, bleibt die Aufgabe nun an Mr. Unersetzlich h\u00e4ngen.<\/p>\n<p><strong>Lohnenswertes Sonderziel<\/strong><\/p>\n<p>Denn Trainer Thomas Tuchel hat seinem Mustersch\u00fcler auch den Partner entzogen. Ein Nachfolger f\u00fcr Ilkay G\u00fcndogan als offensiver Part auf der so genannten Doppelsechs ist nicht in Sicht. Sebastian Rode ist mit der Rolle \u00fcberfordert, Gonzalo Castro oder Mario G\u00f6tze sind vorne wertvoller, Raphael Guerreiro fehlt seit Wochen &#8211; und die Wahl Nuri Sahin mochte Tuchel fast nie treffen.<\/p>\n<p>Vielleicht auch deswegen hat sich der Coach in dieser Saison weitgehend von der Doppelsechs verabschiedet und l\u00e4sst Weigl in der 4-1-4-1-Grundformation im doppelten Sinne oft alleine. Das klappt manchmal ganz gut, etwa gegen Gegner, die nur stumpf verteidigen. Oder gegen Topteams wie Real, die ihre eigene Offensive so sehr sch\u00e4tzen, dass sie Pressing eher vernachl\u00e4ssigen. Aber Teams wie Leipzig, Leverkusen oder Frankfurt haben den BVB-Ballverteiler als lohnenswertes Sonderziel identifiziert und machen Weigl das Leben schwer. Die Dortmunder Dauer-Rotation und wechselnde Systeme tragen ihren Teil dazu bei, dass der Youngster noch nicht die Form des sensationellen Deb\u00fctjahres gefunden hat, f\u00fcr das er vom \u201ekicker\u201c zum besten Newcomer gek\u00fcrt wurde und das ihn in die Nationalelf katapultierte.<\/p>\n<p><strong>Tuchel: &#8220;Noch nicht bereit f\u00fcr Real&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Kein Wunder, dass Weigls bislang bester Auftritt dieser Spielzeit der in der K\u00f6nigsklasse bei Sporting Lissabon war. Gegen ein Team, dass sich vorm Hinspiel kaum die M\u00fche machte, die St\u00e4rken und Schw\u00e4chen des Gegners zu analysieren und Weigl so offensichtlich gew\u00e4hren lie\u00df, dass ihm im 105. Profispiel sein allererstes Tor gelang. Sp\u00e4testens diese Momente erinnern daran, welches Juwel sich der BVB im Sommer 2015 mit dem 2,5-Millionen-Euro-Schn\u00e4ppchen geangelt hat.<\/p>\n<p>Europas Geldadel steht l\u00e4ngst Schlange, um Weigl den Kopf zu verdrehen. Pep Guardiolas Wertsch\u00e4tzung ist schon aus der FC-Bayern-Zeit bekannt. Bei dessen aktuellem Klub Manchester City k\u00f6nnte Weigl die Achse mit G\u00fcndogan wiederbeleben. Aber auch der FC Barcelona und Real Madrid strecken angeblich ihre F\u00fchler nach Dortmunds Nummer 33 aus. Mit jedem Auftritt in Europa werden die Begehrlichkeiten gr\u00f6\u00dfer. Lieber heute als morgen w\u00fcrde BVB-Sportdirektor Michael Zorc daher mit dem Shooting-Star \u00fcber 2019 hinaus verl\u00e4ngern.<\/p>\n<p>Und offensichtlich hat die Borussia Hoffnung, diesen Baustein f\u00fcr die Zukunft zu sichern. Trainer Tuchel sagte nach dem Highlight in Madrid: \u201eWie die gesamte Mannschaft hatte Julian eine schwierige erste Halbzeit. Stand jetzt ist er noch nicht bereit f\u00fcr einen Klub wie Real.\u201c Mit solch einer eher lieb gemeinten und nicht ganz uneigenn\u00fctzigen Kritik k\u00f6nnen bei Schwarz-Gelb gerade alle happy sein &#8211; vermutlich auch Weigl.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stratege Julian Weigl hat sich in Rekordzeit beim BVB etabliert. 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