{"id":2171,"date":"2017-02-04T21:15:57","date_gmt":"2017-02-04T19:15:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=2171"},"modified":"2017-12-28T12:58:23","modified_gmt":"2017-12-28T10:58:23","slug":"trump-und-der-tod-einer-football-liga","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=2171","title":{"rendered":"Trump und der Tod einer Football-Liga"},"content":{"rendered":"<p>Was die USA auf politischer Ebene erleben, hat auch eine sportliche Vorgeschichte: Vor gut drei\u00dfig Jahren r\u00fcpelte der heutige US-Pr\u00e4sident Donald J. Trump durch die Welt des American Football. Eine Mischung aus Geltungsbewusstsein, Gier und Ungeschick lie\u00df viele Verlierer zur\u00fcck.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Still schl\u00e4ft der Astrodome in Houston, schwarze Schlieren ziehen am Waschbeton runter. Wenn in der Nacht zum Montag der Super Bowl LI die Gespaltenen Staaten von Amerika f\u00fcr wenige Stunden vorm Fernseher vereint und keine hundert Meter weiter im NRG-Stadium die 51. Auflage des Endspiels im American Football steigt, liegt die erste \u00fcberdachte Mehrzweck-Arena der Welt als Sarkophag brach daneben.<\/strong><\/p>\n<p>Das war mal ganz anders, einst wurde der Astrodome als \u201e8. Weltwunder\u201c gefeiert. Er war die Heimat des NFL-Teams Houston Oilers und der Baseball-Mannschaft Astros, bot Rodeo, Wrestling oder einen Parteitag der Republikaner. In den Achtzigern traten unter seinem Dach auch die Houston Gamblers an &#8211; als Teil einer neuen Football-Liga, deren Untergang Donald J. Trump nach herrschender Meinung entscheidend vorantrieb.<\/p>\n<p><strong>Liga mit Problemen, aber einer Perspektive<\/strong><br \/>\nDie Geschichte der United States Football League USFL handelt vom amerikanischen Traum, von einer Marktl\u00fccke im Sportbusiness. Drei Jahre lang, von 1983 bis 85, nutzten einige findige Gesch\u00e4ftsleute die bis dahin footballfreie Zeit im Fr\u00fchjahr und Sommer f\u00fcr ihre Zwecke, ehe die Idee durch Narzissmus, Gier und Skrupellosigkeit erstickt wurde. Die \u201eHuffington Post\u201c fragte schon vor Amtsantritt des 45. US-Pr\u00e4sidenten: \u201eMacht Trump mit Amerika, was er einst mit der USFL getan hat?\u201c<\/p>\n<p>Die Anti-Liga hatte Startprobleme. Die Stadionsuche war schwierig, die selbst auferlegte Gehaltsobergrenze schnell aufgeweicht. Das Fan-Interesse schwankte regional so stark, dass die Ungeduld einige Klubbesitzer mehrfach in andere St\u00e4dte trieb. Von Anfangs 12 Teams wuchs die Liga &#8211; wirtschaftlich wom\u00f6glich zu schnell &#8211; bald auf 18. Trotzdem besa\u00df die Liga eine Perspektive. Gut 25.000 Zuschauer lockte das Spektakel bei netten Temperaturen in die Arenen. Dem etablierten Sender ABC und dem damaligen Branchenneuling ESPN war das Spektakel beachtenswerte TV-Vertr\u00e4ge wert.<\/p>\n<p><strong>Steve Young als Aush\u00e4ngeschild<\/strong><br \/>\nMit neuen Regeln entwickelte die USFL den Sport weiter und setzte sich von der National Football League ab. Jubel-Choreos in der gegnerischen Endzone wurden ausdr\u00fccklich ermutigt, schon damals stand das K\u00fcrzel NFL auch f\u00fcr \u201eNo Fun League\u201c. Die so genannte <em>two point conversion<\/em> schaffte dank der USFL den Sprung vom College zu den Profis. Mit dieser Regel kann ein Team nach einem Touchdown mit einem weiteren Spielzug zwei zus\u00e4tzliche Punkte holen anstelle des einen, den der obligatorische Feldtorversuch hergibt. Ebenso ist die <em>challenge<\/em> heute im Regelkanon der NFL fest verankert &#8211; also die M\u00f6glichkeit eines Trainers, eine Entscheidung per Videobeweis \u00fcberpr\u00fcfen zu lassen.<\/p>\n<p>Das Niveau der Liga war erstaunlich gut. Gleich drei Gewinner der begehrten Heisman-Trophy entschieden sich f\u00fcr die USFL, also die besten Nachwuchsspieler ihres Jahrgangs. Folglich hinterlie\u00df die USFL ein reiches Erbe. Gro\u00dfe Karrieren starteten hier: etwa die von Reggie White bei den Memphis Showboats, vor zwanzig Jahren Schl\u00fcsselspieler beim Super-Bowl-Sieg der Green Bay Packers. Oder die von Jim Kelly, Astrodome-Held f\u00fcr die Houston Gamblers, der sp\u00e4ter die Buffalo Bills in vier Super Bowls in Folge f\u00fchrte. Selbst Steve Young, Quarterback-Legende der San Francisco 49ers begann seine Profilaufbahn bei L.A. Express in der USFL. Insgesamt schafften 187 Spieler sp\u00e4ter den Sprung in die NFL. <\/p>\n<p><strong>Publicity f\u00fcr die Au\u00dfenseiter<\/strong><br \/>\nWirtschaftlich begann die Liga durchaus solide, anf\u00e4ngliche Verluste waren im Businessplan vorgesehen und sollte durch nachhaltiges Wirtschaften mittelfristig ausgeglichen werden.<\/p>\n<p>Nach dem Ende der ersten Saison stieg Donald Trump in die Liga ein.<\/p>\n<p>Im Herbst 1983 residierte der damals 37-J\u00e4hrige gerade ein halbes Jahr in seinem frisch errichteten Protz-Tower in Manhattan und war auf Marketing-Mission. Schlagzeilen um jeden Preis. Jeder Amerikaner sollte seinen Namen kennen. Am besten w\u00fcrde dabei der Besitz eines Teams in der besten Liga der Welt helfen, doch der elit\u00e4re Kreis der Klubbesitzer in der NFL lehnte den Empork\u00f6mmling wom\u00f6glich aus den gleichen Gr\u00fcnden ab wie das New Yorker oder aktuell das Washingtoner Establishment: zu grell, zu laut, zu r\u00fcpelhaft. Ein USFL-Team musste als Eratz herhalten.<\/p>\n<p>Trump angelte sich die New Jersey Generals, und die junge Liga war zun\u00e4chst froh war \u00fcber die Publicity. Sportlich waren die Generals wenig erfolgreich, aber in Herschel Walker hatte das Team einen der besten Running Backs der Football-Geschichte in seinen Reihen. Im m\u00e4chtigen Markt New York konnte der Football-fremde Trump mit einen solchen Investment kaum Fehler machen.<\/p>\n<p><strong>Schlimmste Sieg der Karriere<\/strong><br \/>\nF\u00fcr Trumps Ambitionen war das aber nicht genug. Es dauerte nicht lange, bis er die Sport-Supermacht NFL frontal angriff. \u201eWenn der liebe Gott Football im Fr\u00fchling wollte, h\u00e4tte er nicht Baseball erfunden\u201c, t\u00f6nte das PR-Talent und ging <em>all in<\/em> &#8211; alles oder nichts. Sein Ziel: auch in der zweiten Jahresh\u00e4lfte spielen und damit die NFL direkt herausfordern. Die m\u00e4chtige Konkurrenz, so das Kalk\u00fcl, w\u00fcrde letztlich eine Teil-Fusion der Ligen als das kleinere \u00dcbel sehen und wenigstens einige USFL-Teams in den elit\u00e4ren Kreis aufnehmen.<\/p>\n<p>Denn parallel \u00fcberzog Trump die NFL mit einer durchaus bedrohlichen Monopolklage. Streitwert: 1,7 Milliarden Dollar. Obwohl die TV-Partner insgesamt satte 245 Millionen Dollar f\u00fcr die kommenden drei (ESPN) bzw. vier (ABC) Fr\u00fchlings-Spielzeiten boten, folgten die Klubbesitzer lieber dem vagen Versprechen ihres neuen Lautsprechers. Auch, weil John Basset, die Liga-Stimme der Vernunft und hartn\u00e4ckiger Verfechter der Ausweich-Saison, an einem Gehirntumor erkrankte und bald starb. Der Weg war frei f\u00fcr Trumps Schulhofr\u00fcpel-Gehabe.<\/p>\n<p><strong>Scheck \u00fcber 3 Dollar, 76 Cents<\/strong><br \/>\nDoch der Immobilien-Tycoon hatte zu hoch gepokert. \u201eWir alle wussten: Damit begeht die Liga Selbstmord\u201c, erkl\u00e4rte Steve Young j\u00fcngst aus Sicht der damaligen Aktiven. Von der Fusion wollte die NFL nichts wissen. Und vor Gericht errang Trump den wohl schlimmsten Sieg seiner Karriere: Zwar bekam die Liga Recht, es wurde ein NFL-Monopol bei den TV-Vertr\u00e4gen festgestellt. Doch entlarvten die Richter Trumps Versuch, Kasse zu machen und sprachen der USFL lediglich 1 symbolischen Dollar zu.<\/p>\n<p>Daraus wurden 3 Dollar, weil sich die Summe in so genannten Anti-Trust-Verfahren automatisch verdreifacht. Und letztlich 3 Dollar 76 Cent, weil auf dem erfolglosen Klageweg zum Supreme Court Zinsen hinzukamen. Der Scheck der NFL wurde nie eingel\u00f6st. Es war das Ende f\u00fcr die USFL, zur Saison 1986 traten die Klubs gar nicht mehr an. Mehrere Hundert Mitarbeiter der Liga verloren ihre Jobs, die Eigner gro\u00dfe Teile ihrer Investitionen. Trump selbst verpasste die Gelegenheit, ein Superteam zu bekommen. Seine Generals sollten in der n\u00e4chsten Spielzeit mit den Houston Gamblers verschmelzen, jener Mannschaft aus dem Astrodome. <\/p>\n<p><strong>&#8220;P.S. Du bist ein Loser&#8221;<\/strong><br \/>\nF\u00fcr Trump waren das trotzdem nur \u201ekleine Kartoffeln\u201c, wie der Milliard\u00e4r Jahre sp\u00e4ter in einer Dokumentation lapidar sagte. Damit verh\u00f6hnte er im Emmy-preisgekr\u00f6nten ESPN-Kurzfilm \u201eSmall Potatoes. Who killed the USFL?\u201c die Verlierer seines Donald-First-Gebarens.<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber Filmemacher Michael Tollin zeigte er bereits 2009 auch schon jene Umgangsformen, die ihn aktuell bei Twitter \u201eauszeichnen\u201c. Eine schriftliche Einladung zur Film-Premiere sandte Trump an Tollin kommentiert zur\u00fcck: \u201eEine drittklassige Dokumentation\u201c stand in Filzstift am Rand, und drunter: \u201eP.S. Du bist ein Loser\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was die USA auf politischer Ebene erleben, hat auch eine sportliche Vorgeschichte: Vor gut drei\u00dfig Jahren r\u00fcpelte der heutige US-Pr\u00e4sident Donald J. Trump durch die Welt des American Football. 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