{"id":2238,"date":"2017-05-11T18:14:30","date_gmt":"2017-05-11T16:14:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=2238"},"modified":"2017-05-30T15:19:02","modified_gmt":"2017-05-30T13:19:02","slug":"bvb-ikone-kompass-und-stratege","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=2238","title":{"rendered":"BVB-Ikone, Kompass und Stratege"},"content":{"rendered":"<p>Nuri Sahin ist Borussia Dortmunds Seele. Obwohl der 28-J\u00e4hrige auf die Zielgerade der Karriere einbiegt und nur noch selten zum Einsatz kommt, mag der Klub nicht auf ihn verzichten. <!--more--><\/p>\n<p>(Dieser Artikel lief am 12. und 13. Mai 2017 bei <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/sport\/das-aktuelle-sportstudio\/das-aktuelle-sportstudio-vom-13-mai-2017-100.html\" target=\"_blank\">zdfsport.de<\/a>)<\/p>\n<p><strong>Ende Februar, es ist wie immer zugig und frisch am Trainingsgel\u00e4nde der Borussia im Dortmunder Vorort Brackel. Nuri Sahin h\u00e4lt das nicht ab. W\u00e4hrend die Teamkollegen in Freiburg auf drei Punkte aus sind, f\u00fchrt der erneut nicht f\u00fcr den Profi-Kader nominierte Mittelfeldspieler den Wintereinkauf Alexander Isak in schwarz-gelbe Folklore ein.<\/strong><\/p>\n<p>Mit der neuen Sturmhoffnung besucht er das Derby der BVB-U19 gegen den Revierrivalen Schalke. Obwohl die eigene Karriere nach einer Verletzung gerade mal wieder stockt, ist Dortmunds Urgestein nicht bockig &#8211; ganz im Gegenteil.<\/p>\n<p><strong>Ein Fu\u00dfballerleben lang in Schwarz-Gelb<\/strong><br \/>\nSahin ist f\u00fcr seinen BVB da, ob als Fremdenf\u00fchrer, Bankdr\u00fccker oder Antreiber auf dem Rasen. Schwarz-Gelb liegt in der DNA des 28-J\u00e4hrigen, daran k\u00f6nnen kurze Gastspiele bei Feyenoord Rotterdam, Real Madrid und beim FC Liverpool nichts \u00e4ndern. \u201eJeder wei\u00df, wie wohl ich mich in Dortmund f\u00fchle. In der Stadt, im Stadion mit unseren au\u00dfergew\u00f6hnlichen Fans. Der BVB ist der Klub meines Herzens\u201c, sagte Sahin j\u00fcngst, als der Verein den Vertrag bis 2019 verl\u00e4ngerte. Trotz stattlicher Krankenakte und obwohl er nicht als Schl\u00fcsselspieler im System des inzwischen heftig diskutierten Trainers Thomas Tuchel gilt.<\/p>\n<p>Der Klub wird nicht m\u00fcde, neben sportlichen auch die menschlichen Qualit\u00e4ten seines Angestellten zu loben. \u201eEr ist ein Kind der Region, ein richtig guter Typ und im Verein tief verwurzelt\u201c, sagt BVB-Chef Hans-Joachim Watzke \u00fcber den Sauerl\u00e4nder Sahin. Bei Vertragsende wird er fast 16 Jahre beim BVB gewesen sein, ein erf\u00fclltes Fu\u00dfballerleben lang.<\/p>\n<p><strong>Ikone des BVB<\/strong><br \/>\nDie Fans freut es, dass die Chefetage aus Fehlern gelernt hat und Publikumslieblinge nicht mehr k\u00fchl abschiebt, wenn sie nicht in Tuchels Konzept passen. Sahin verk\u00f6rpert wie kaum ein Zweiter die romantische Idee der \u201eEchten Liebe\u201c, die f\u00fcr kurze Zeit mehr war als nur ein PR-Konzept. Das Foto des Knaben Nuri, der als Balljunge vor der \u201eS\u00fcd\u201c einen BVB-Treffer bejubelt, geh\u00f6rt genauso zur Klub-Ikonographie wie der im K\u00f6lner Regen an Lukas Podolski vorbei rutschende Torsch\u00fctze Sahin: mit \u00c4tschib\u00e4tsch-Zeigefinger, weil der damalige FC-St\u00fcrmer ihn zuvor verh\u00f6hnt hatte.<\/p>\n<p><strong>Von Tuchel kaum gebraucht<\/strong><br \/>\nSportlich allerdings hat er seit seiner emotionalen R\u00fcckkehr zum BVB im Winter 2013 nie an die Glanzzeiten angeschlossen. Stets warfen Verletzungen den Meister-Dirigenten der fr\u00fchen Klopp-\u00c4ra zur\u00fcck. Zwei Drittel der vergangenen Saison verpasste er wegen einer Sehnenreizung. Mitte dieser Spielzeit machte ihm das Knie zu schaffen. Zuletzt setzte ihn ein Anriss des Au\u00dfenbandes matt. Aber selbst wenn er fit ist, greift der Trainer nur selten auf seinen Kreativ-Strategen zur\u00fcck, obwohl er ihn stets \u00fcber den gr\u00fcnen Klee lobt. In der Hinrunde verzichtete Tuchel fast komplett auf Sahins Dienste, selbst als der Kader arg ausged\u00fcnnt war. So kommt er bislang lediglich auf acht Eins\u00e4tze, wettbewerbs\u00fcbergreifend.<\/p>\n<p><strong>Beeindruckendes Interview<\/strong><br \/>\nDabei zeigte er im April, welchen Wert er f\u00fcr die Mannschaft haben kann. Insbesondere gegen AS Monaco in der Champions League trumpfte Sahin auf. Beim in jeder Hinsicht schwierigen Hinspiel, das unter dem Eindruck des Bombenanschlags auf den BVB-Bus stand, war es der Halbzeit-Joker Sahin, der das Team mitriss und Dortmunds Chance aufs Halbfinale wahrte. Im R\u00fcckspiel geh\u00f6rte er erneut zu den Besten, ehe Tuchel ihn aus Taktik-Gr\u00fcnden opferte. Zudem beeindruckte Sahin in der schwersten Stunde des Teams mit seiner empathischen Art als moralischer Kompass. In einem denkw\u00fcrdigen TV-Interview gew\u00e4hrte der sensible Familienvater Einblick in die Borussen-Seele und erinnerte daran, dass hinter jeder Profifassade nur Menschen stecken.<\/p>\n<p><strong>Pokalfinale als gro\u00dfes Ziel<\/strong><br \/>\nVom Balljungen im fr\u00fcheren Westfalenstadion zum j\u00fcngsten Spieler und Torsch\u00fctzen der Liga-Geschichte; vom besten Akteur im Meisterjahr 2011 zum Routinier, Antreiber und Meinungsf\u00fchrer: Die Karriere des 50-maligen t\u00fcrkischen Nationalspielers kann sich sehen lassen. F\u00fcr ein Ziel gilt es sich aber zu strecken: den DFB-Pokal. Seit dieser Woche ist Sahin zur\u00fcck im Training und hofft, dass es f\u00fcrs Endspiel reicht, nachdem er Dortmunds Double 2012 wegen des Real-Abenteuers verpasste und zuletzt drei Finalpleiten erlebte.<\/p>\n<p>\u201eAller guten Dinge sind vier\u201c, sagte Sahin gewitzt, als ihn die Borussia j\u00fcngst als Repr\u00e4sentanten nach Berlin schickte. Weil er da noch nicht wieder fit war, vertrat er seinen Herzensklub bei der offiziellen Pokalpr\u00e4sentation in Berlin, dem PR-Vorlauf zur Partie am 27. Mail im Olympiastadion gegen Eintracht Frankfurt. Aber ganz sicher auch, weil Sahin eine pr\u00e4gende Figur geworden ist, die selbst neben dem Platz alles f\u00fcr seinen BVB gibt.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p><strong>Das ist Nuri Sahin<\/strong><\/p>\n<p>Der Sauerl\u00e4nder Nuri Sahin wurde 1988 in L\u00fcdenscheid geboren und wuchs in Meinerzhagen auf. 2001 wechselte er in die Jugendabteilung von Borussia Dortmund. BVB-Trainer Bert van Marwijk beorderte den talentierten Mittelfeldspieler 2005 direkt von der B-Jugend in den Profikader. In der Saison 2005\/2006 feierte Sahin sein BVB-Deb\u00fct und stellte etliche bis heute g\u00fcltige Rekorde auf: Mit 16 Jahren 355 Tagen war er der j\u00fcngste Spieler der Bundesliga-Geschichte, mit 17 Jahren und 82 Tagen deren j\u00fcngster Torsch\u00fctze. Im Oktober 2005 feierte er zudem seine L\u00e4nderspielpremiere f\u00fcr die T\u00fcrkei und erzielte gleich einen Treffer &#8211; beim Sieg \u00fcber Deutschland.<\/p>\n<p>Weil er 2007 unter Dortmunds neuem Trainer Thomas Doll nicht gebraucht wurde, folgte Sahin seinem F\u00f6rderer van Marwijk zu Feyenoord Rotterdam, wo er holl\u00e4ndischer Pokalsieger wurde. Aber bereits 2008 holte der BVB seinen hoch gesch\u00e4tzten Leihspieler zur\u00fcck, und unter J\u00fcrgen Klopp entwickelte sich der defensive Mittelfeldspieler zur Dortmunder Schaltzentrale. Nach dem Gewinn der Meisterschaft 2011 wurde Dortmunds Nummer acht zum Spieler der Saison gew\u00e4hlt.   <\/p>\n<p>Danach lotste ihn Jose Mourinho f\u00fcr die festgeschriebene Abl\u00f6se von 10 Millionen Euro zu Real Madrid. Obwohl Sahin mit den K\u00f6niglichen Meister wurde, stand sein Ausflug nach Spanien unter keinem guten Stern. Er war oft verletzt und kam nur auf 10 Pflichtspiele. Nicht viel besser erging es ihm beim FC Liverpool, wohin er in der Saison 2012\/13 ausgeliehen wurde. In der Winterpause jener Spielzeit nutzte Dortmund die Gunst der Stunde und holte den \u201everlorenen Sohn\u201c zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Bislang hat Sahin f\u00fcr seinen BVB insgesamt 248 Pflichtspiele bestritten, dabei 24 Treffer erzielt und 46 Torvorlagen gegeben. Sein Vertrag wurde am 25. April dieses Jahres vorzeitig bis 2019 verl\u00e4ngert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nuri Sahin ist Borussia Dortmunds Seele. 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