{"id":2254,"date":"2017-05-29T08:17:00","date_gmt":"2017-05-29T06:17:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=2254"},"modified":"2017-08-26T12:48:02","modified_gmt":"2017-08-26T10:48:02","slug":"pokaltriumph-in-moll","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=2254","title":{"rendered":"Pokaltriumph in Moll"},"content":{"rendered":"<p>Borussia Dortmund bezwingt endlich sein Finaltrauma. Doch der m\u00fchsame Erfolg \u00fcber Eintracht Frankfurt wird nicht nur von der Trainerdiskussion \u00fcberschattet.<!--more--><\/p>\n<p>(Dieser Artikel lief am 28. Mai 2017 bei <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/sport\/fussball-dfb-pokal-dortmund-frankfurt-nachbericht-100.html\" target=\"_blank\">zdfsport.de<\/a>)<\/p>\n<p><strong>Als die Sieger sp\u00e4t nachts im Grand Hyatt Berlin am Potsdamer Platz eintrudelten, war alles ungew\u00f6hnlich ged\u00e4mpft. Das Licht, die Musik, die Begeisterung. Hinter schweren, h\u00f6lzernen Doppelt\u00fcren des \u201eGrand Ballroom B\u201c wartete nur der engere Kreis der BVB-Familie, um den 2:1-Erfolg gegen Eintracht Frankfurt im DFB-Pokalfinale zu feiern.<\/strong><\/p>\n<p>Nach zuletzt vier Endspielpleiten in Folge hatte Borussia Dortmund bewusst alles eine Nummer kleiner gew\u00e4hlt. Das passte, denn statt Euphorie war eher Erleichterung das Gef\u00fchl des Abends, gemischt mit einer Prise Unsicherheit.<\/p>\n<p><strong>Watzke bleibt schmallippig<\/strong><br \/>\nAm Ende einer turbulenten Saison 2016\/17 musste sich Hans-Joachim Watzke vor dieser Party in Moll freche Fragen gefallen lassen. Zum Trainer &#8211; es ist ja ein offenes Geheimnis, dass sich die Wege von Thomas Tuchel und Dortmund wohl bald trennen werden. \u201eEs hat sich nichts ge\u00e4ndert, wir werden uns in den n\u00e4chsten Tagen zusammensetzen und reden\u201c, sagte der BVB-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer schmallippig und gar nicht in Siegerpose.<\/p>\n<p>Aber auch zum m\u00f6glichen Abschied von Torsch\u00fctzenk\u00f6nig Pierre-Emerick Aubameyang. \u201eEs geb\u00fchrt der Respekt, heute nicht dar\u00fcber zu reden. Wir sind gerade Pokalsieger geworden\u201c, wehrte Watzke ab und fl\u00fcchtete in die Feier-Wagenburg. Sportdirektor Zorc und auch Tuchel zogen ganz ohne Statement an der Pressemeute vorbei.<\/p>\n<p><strong>Knackiger Spruch<\/strong><br \/>\nDer Trainer hatte zuvor die gro\u00dfe B\u00fchne genutzt, um PR in eigener Sache zu machen. Nach dem m\u00fchsamen, aber verdienten vierten Pokalsieg der BVB-Geschichte, hatte er die Charme-Offensive der vergangenen Wochen fortgesetzt und damit vor Millionenpublikum gepunktet. Er lobte und herzte sein Team und trat so den Vorw\u00fcrfen entgegen, zwischen ihm und Teilen der Mannschaft stimme es nicht. Euphorisch war aber auch er nicht nach dem ersten Titel seiner Karriere, obwohl er \u00fcber beide Wangen strahlte: \u201eNach dem Halbfinale in M\u00fcnchen war es eine Explosion der Freude. Heute f\u00fchle ich mich einfach leer.\u201c<\/p>\n<p>Der umstrittene Coach gab sich als loyaler Angestellter. \u201eIch habe einen Vertrag bis 2018, den m\u00f6chte ich auf jeden Fall erf\u00fcllen.\u201c Was soll er auch sagen? Zum angespannten Verh\u00e4ltnis zu Watzke fiel Tuchel sogar ein knackiger Spruch ein, als einige Reporter wieder Tauwetter in den Beziehungen zu ersp\u00fcren meinten: \u201eNachdem die letzte Umarmung mit Aki handgestoppt war, haben wir uns heute etwas mehr M\u00fche gegeben.\u201c Auch bez\u00fcglich anstehender Gespr\u00e4che gab er sich positiv: \u201eEs scheint, als w\u00e4ren die ergebnisoffen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Zu sehr um die Ecke gedacht<\/strong><br \/>\nZum gleichen Zeitpunkt allerdings diktierte sein eigener Teamkapit\u00e4n im Bauch des Olympiastadions ganz anderes in die Journalistenbl\u00f6cke und entlarvte die heile Tuchel-Welt als Wunschvorstellung. \u201eMich hat es sehr geschockt. Wir stehen alle hinter Nuri\u201c, sagte Marcel Schmelzer auf die Frage, warum Routinier Sahin vom Trainer nicht in den Kader berufen wurde. Nach dem Ausfall von Julian Weigl galt das BVB-Urgestein als erste Wahl f\u00fcr die Startelf, mindestens aber als Bank-Kandidat.<\/p>\n<p>Stattdessen experimentierte Tuchel beim Saisonh\u00f6hepunkt mit Matthias Ginter im defensiven Mittelfeld, was in der ersten Halbzeit v\u00f6llig daneben ging. Genau diese Art von Entscheidungen des Fu\u00dfball-Nerds &#8211; einmal zu sehr um die Ecke gedacht &#8211; hatten schon \u00f6fters f\u00fcr Verwirrung im Klub gesorgt &#8211; nicht nur die zuletzt viel zitierten und viel beachteten Probleme im Miteinander.<\/p>\n<p><strong>Verletzungspech bleibt BVB treu<\/strong><br \/>\nDass vor diesem Hintergrund auch die Partie des Favoriten Dortmund \u00fcber die spielerisch limitierte Eintracht sehr speziell wurde und zum Abziehbild der gesamten Saison, war wohl konsequent. Nach der fr\u00fchen F\u00fchrung durch Ousmane Dembel\u00e9s Zauberhaken verlor der BVB die Kontrolle und die Defensivhoheit und war nach dem Kontertor durch Ante Rebic mit einem Remis zur Pause gut bedient. Bei der Borussia schien genauso die Luft raus wie bei ihren sonst so lebhaften Fans, die im vierten DFB-Pokalfinale in Folge nicht mehr die Kraft f\u00fcr Besonderes hatten. Sie standen klar im Schatten des lautstarken Frankfurter Anhangs.<\/p>\n<p>Wie so oft in dieser Saison schlug auch das Verletzungspech wieder zu. Die zweite Halbzeit mussten die Westfalen ohne Schmelzer bestreiten und ohne Marco Reus, der sich sp\u00e4ter vage \u00fcber \u201eein bisschen Kreuzband\u201c beklagte. \u201eMegabitter\u201c, sagte Tuchel zum erneuten Ausfall des Nationalspielers. Vor allem dank Joker Christian Pulisic riss sich Dortmund aber zusammen, und kam durch einen von Aubameyang frech verwandelten Foulelfmeter zur erneuten F\u00fchrung, die den Sieg und das Happy-End f\u00fcr den BVB bedeutete.<\/p>\n<p><strong>Aubameyang als Stimmungskanone<\/strong><br \/>\nParadiesvogel Aubameyang erschien sp\u00e4ter gewohnt schrill auf der n\u00e4chtlichen BVB-Party. Mit blauen Glitter-Sakko und dem goldenen Pokal in den Armen musste er von den Mikros weggezogen werden, damit es hinter verschlossenen T\u00fcren des \u201eGrand Ballroom B\u201c endlich losging. Ob er dem Klub erhalten bleibt und wie gro\u00df der n\u00e4chste BVB-Umbruch folglich aussieht, konnte er nicht mehr loswerden.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Gute-Laune-Garanten blieb stattdessen noch die Aufgabe, die Stimmung von Erleichterung auf Euphorie zu heben. Denn sp\u00e4testens heute Nachmittag beim Umzug um den Borsigplatz wollen es die Borussen doch noch kr\u00e4ftig krachen lassen, so wie es sich f\u00fcr einen Pokalsieger geh\u00f6rt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Borussia Dortmund bezwingt endlich sein Finaltrauma. 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