{"id":720,"date":"2013-02-05T08:07:36","date_gmt":"2013-02-05T06:07:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=720"},"modified":"2013-02-14T11:47:17","modified_gmt":"2013-02-14T09:47:17","slug":"der-dome-der-strom-und-ein-lassiger-matchwinner","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.athletic-brandao.de\/?p=720","title":{"rendered":"Der Dome, der Strom und ein l\u00e4ssiger Matchwinner"},"content":{"rendered":"<p>Weil vor den Augen der Welt die Lichter ausgehen, geraten der Super-Bowl-Ausrichter New Orleans und die National Football League in Erkl\u00e4rungsnot. Dem Quarterback des neuen Champions Baltimore Ravens d\u00fcrfte das egal sein, zur Not geht er wieder Kaffee-Trinken mit den Fans.<!--more--> <\/p>\n<p>Schon am Morgen nach der peinlichen Panne war es Zeit f\u00fcr kritische Fragen. W\u00e4hrend sich die m\u00fcden Champions der Baltimore Ravens nach einer durchzechten Nacht per Motorrad-Eskorte aus der Party-Metropole New Orleans kutschieren lie\u00dfen, musste sich Doug Thornton, Manager des Superdomes, gegen\u00fcber US-Medien rechtfertigen: Warum fiel beim gr\u00f6\u00dften US-Sportereignis der Strom aus und lie\u00df \u00fcber 70.000 Fans, Promis, Spieler und Funktion\u00e4re im Stadion, sowie Hunderte Millionen von TV-Zuschauern in aller Welt qu\u00e4lend lange 35 Minuten auf die Fortsetzung des 47. Super Bowls warten? Eine echte Erkl\u00e4rung hatte er nicht parat.<\/p>\n<p><strong>Das Symbol bekommt neue Kratzer<\/strong><br \/>\n\u201eEs scheint fast so, als k\u00f6nnten wir dieser weltweiten Aufmerksamkeit nicht entkommen\u201c, sagte Thornton fast schulterzuckend und spielte darauf an, dass seine Arena schon als Horror-Unterkunft w\u00e4hrend der Hurrikan-Katastrophe Katrina im globalen Fokus stand. \u201eEs waren ungl\u00fcckliche Umst\u00e4nde, ausgerechnet in diesem gro\u00dfen Moment f\u00fcr die Stadt.\u201c Ein Sensor hatte einen Fehler im Stromkreislauf erkannt und das Stadion in ein schummriges Notlicht getaucht, fast wie bei der Naturkatastrophe im Jahr 2005. \u201eDas ist alles sehr entt\u00e4uschend\u201c, sagte Thornton, der nach Katrina erfolgreich gegen den Abriss des mittlerweile 38 Jahre alten Superdomes und f\u00fcr dessen Modernisierung gek\u00e4mpft hatte. \u201eSeine Rettung ist ein Symbol f\u00fcr die Zuversicht in dieser Stadt&#8221;, hatte er noch kurz vor dem Spiel im Interview mit athletic-brandao gesagt.<\/p>\n<p>Dieses Symbol hat erneut Kratzer abbekommen, und ob der Superdome angesichts des zu vermutenden PR-Desasters in n\u00e4chster Zeit wieder einen Super Bowl ins vibrierende New Orleans holen kann, darf bezweifelt werden. Zwar gab sich Roger Goodell, Chef der m\u00e4chtigen National Football League NFL, vers\u00f6hnlich: \u201eWas passiert ist, hat keinen Einfluss auf zuk\u00fcnftige Endspiele in New Orleans. Wir wollen hierhin zur\u00fcckkehren.\u201c Aber auch wenn die wieder h\u00f6chst lebendige Metropole im S\u00fcden Louisianas eine gro\u00dfartige Gastgeberin war &#8211; die Blamage am Spieltag strahlt auf die NFL und ihr Milliarden-Dollar-Business ab. Noch so einen Patzer kann sich der ambitionierte Verband kaum leisten. Vielleicht verst\u00e4rken die Ereignisse auch die Rufe nach einer neuen Heimat f\u00fcr das lokale Football-Team der New Orleans Saints.<\/p>\n<p>Dass es rund um den Stromausfall im Superdome eine klasse Show und ein sensationelles Football-Finale zu bestaunen gab, geriet da fast in den Hintergrund. Jennifer Hudson und der Chor der Sandy-Hook-Grundschule aus Newton\/Ohio, an der vor einigen Wochen bei einem Amoklauf 27 Menschen ums Leben kamen, r\u00fchrten die Zuschauer mit \u201eAmerica the beautiful\u201c zu Tr\u00e4nen. Auch Alicia Keys traf bei ihrer Moll-Version der US-Nationalhymne den Ton. Und dann startete auf dem Rasen ein Krimi, der schon jetzt das Zeug zum Klassiker hat. Der \u00fcberragende Quarterback Joe Flacco f\u00fchrte die Baltimore Ravens schlie\u00dflich zu einem 34:31 \u00fcber die San Francisco 49ers &#8211; in diesem unscheinbaren Ergebnis steckt aber eine Riesendramatik.<\/p>\n<p><strong>Die Verteidigung stoppt den 49ers-Zauber<\/strong><br \/>\nAls Baltimores Kickreturner Jacoby Jones gleich zu Beginn der 2. Halbzeit mit einem Rekordlauf \u00fcber 108 Yards das gesamte Feld \u00fcberbr\u00fcckte, leuchteten satte 22 Punkte Vorsprung von den noch bunten Videoleinw\u00e4nden. Nur ein b\u00f6ser Voodoo-Zauber schien die Ravens noch stoppen zu k\u00f6nnen &#8211; oder eben ein Stromausfall: Die grandiose Aufholjagd der 49ers begann. Nicht nur Ravens-Trainer John Harbaugh hatte den Eindruck, die Stadiontechniker h\u00e4tten bei der Reparatur des Stromkreislaufs bei seinem Team den Stecker gezogen &#8211; und bei San Francisco wieder eingest\u00f6pselt: \u201eDie 49ers sind einfach besser mit der Situation zurechtgekommen und konnten das Spiel fast drehen.\u201c<\/p>\n<p>Denn pl\u00f6tzlich stand San Francisco so sehr unter Strom, wie zuvor ausschlie\u00dflich die Ravens. Nun lie\u00df die 49ers-Defensive fast nichts mehr zu, und in der Offensive zeigte Quarterback-Hoffnung Colin Kaepernick mit Anlauf seine Klasse. In seinem erst neunten Spiel von Beginn an trieb der 25-J\u00e4hrige das Team zu drei Touchdowns. Einen davon erlief er \u00fcber stolze 15 Yards h\u00f6chstselbst und stellte damit einen Super-Bowl-Rekord auf. 1:49 Minuten vor Spielende hatte er sogar den Sieg in der Wurfhand, doch f\u00fcnf Yards vor der Endzone fand Baltimores Verteidigung zu alter Kraft zur\u00fcck und stoppte den Zauber.<\/p>\n<p><strong>Flacco mischt sich unter die Fans!<\/strong><br \/>\nAnstelle der Kalifornier, die im sechsten Anlauf ihre erste Finalniederlage kassierten, blieben daher die Ravens mit ihrem zweiten Sieg im zweiten Endspiel perfekt. Deren ebenso schillernder wie umstrittener Superstar Ray Lewis bekam in seinem letzten Auftritt einen Abschied nach Ma\u00df, obwohl sich der Abwehrspieler nicht gro\u00df in Szene setzen konnte. In der Offensive reichten zwei weitere Feldtore nach dem Stromausfall zum Sieg. \u201eEs ist nie h\u00fcbsch, es ist nie perfekt. Aber so sind wir. So ist Baltimore\u201c, sagte Harbaugh nach seinem Deb\u00fct-Erfolg eher erleichtert als \u00fcberschw\u00e4nglich. Im mit Spannung erwarteten \u201eHar-Bowl\u201c &#8211; dem Duell mit seinem Bruder Jim als Chefcoach auf Seiten der 49ers &#8211; behielt er die Oberhand, feierte den Sieg aber verhalten. Der Weg zu seinem unterlegenen Bruder fiel dem mitf\u00fchlenden Familienmenschen schwer: \u201eNach Abpfiff quer \u00fcbers Feld zu Jim zu gehen, war f\u00fcr mich der schlimmste Moment des Abends. Ich war gleichzeitig so unglaublich euphorisch und so furchtbar niedergeschlagen.\u201c W\u00e4hrend des Spiels hatte John die besseren taktische Kniffe parat, zum Beispiel mit einem Fake bei einem Feldtor, auch wenn dieser nicht klappte. Oder kurz vor Schluss, als er bewusst zwei Punkte f\u00fcr die 49ers in Kauf nahm, um die Spieluhr entscheidend herunter laufen zu lassen.<\/p>\n<p>Den Grundstein f\u00fcr den Gewinn der Vince-Lombardi-Troph\u00e4e legte aber Baltimores Quarterback Flacco. Noch am Tag vor dem wichtigsten Spiel seiner Karriere hatte er sich zwischen die Fan-Massen gewagt, hatte im Caf\u00e9 du Monde, einer Touristenattraktion im Big Easy Station gemacht und war dann auf dem Fahrrad zur\u00fcck ins Hotel gefahren. \u201eWas sollte ich denn machen? Es war schlie\u00dflich Samstag\u201c, sagte Flacco sp\u00e4ter lakonisch. Offensichtlich war es keine st\u00f6rende Vorbereitung, denn mit tollen W\u00fcrfen, klasse Befreiungsaktionen und Nerven aus Stahl brachte er sein Team fr\u00fch auf Kurs. Drei Touchdownp\u00e4sse und 192 seiner insgesamt 287 Yards gelangen dem 28-J\u00e4hrigen in einer perfekten ersten Halbzeit.<\/p>\n<p><strong>Joe Cool bringt nichts aus der Fassung<\/strong><br \/>\nSeine Statistiken danach waren weniger beeindruckend, aber das verwundert kaum. Denn unglaubliche 84 Minuten (!) lang standen er und seine Offensivkollegen der Ravens zwischenzeitlich nicht auf dem Feld &#8211; die fade Halbzeitshow von Popstar Beyonc\u00e9 Knowles, der Stromausfall und der Beginn der 49ers Drangperiode nach seiner letzten Ballber\u00fchrung zusammengerechnet. Trotzdem unterlief dem Spielmacher kein einziger Fehler, damit beendete er auch die gesamten Playoffs ohne groben Patzer. Mit insgesamt elf W\u00fcrfen in die Endzone stellte er den NFL-Rekord f\u00fcr K.-o.-Spiele ein und machte als wertvollster Spieler der Partie beste Eigenwerbung f\u00fcr einen neuen, hoch dotierten Vertrag, der bald f\u00e4llig ist. 20 Millionen Dollar Jahresgehalt sind im Gespr\u00e4ch f\u00fcr \u201eJoe Cool\u201c, den kein Stromausfall oder Voodoo-Zauber aus der Fassung bringen kann: \u201eIch wei\u00df ja nicht, wie es im Fernsehen aussah. Aber die Spieler h\u00e4tten meine B\u00e4lle auch so sehen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weil vor den Augen der Welt die Lichter ausgehen, geraten der Super-Bowl-Ausrichter New Orleans und die National Football League in Erkl\u00e4rungsnot. 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