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Pep Guardiola schlägt Alarm

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Münchens Supercup-Niederlage beim Dauerrivalen Borussia Dortmund ist halb so schlimm. Doch der Ausfall von Javier Martinez schmerzt den Bayern-Trainer sehr – und die Aussicht auf die kommenden Wochen: “Wir werden Probleme bis zur Winterpause haben.”

Pep Guardiola ist ein ruhiger Mensch, ein kontrollierter. Einer, der vorsichtig formuliert, aber beizeiten doch die Dinge auf den Punkt bringt. Schon in seiner Debütsaison als Trainer des FC Bayern hat der Katalane das so gehalten, als er die Kennenlern-Kuschelphase kurzerhand mit dem berühmten „Thiago oder nix“-Vorstoß beendete. Und im zweiten Jahr? Nach der verdienten 0:2-Niederlage gegen Borussia Dortmund im Finale um den Supercup schlägt Guardiola gleich zum Saisonauftakt deutliche Worte an, die beim Rekordmeister sicher nicht ungehört verhallen werden. „Wir sind einen Monat zurück. Wir brauchen noch Zeit. Ich bin sicher, wir werden bis zur Winterpause Probleme haben.“

Guardiola: “Martinez wird lange fehlen”
Die Pleite im früheren Westfalenstadion ist für die erfolgsverwöhnten Münchner zu verschmerzen, auch wenn es gegen den Dauerrivalen ging, dem derzeit ja nicht einmal Vertragsgeheimnisse gegönnt werden. Für einen deutschen Supercup wird die „Bayern-Erlebniswelt“, der begehbare Trophäenschrank, nicht extra umgeräumt. Doch die Art und Weise, wie die Niederlage im Duell zweier besserer B-Mannschaften zustande kam, dürfte bei den Münchnern zumindest noch ein wenig nachhallen. Zumal das Ergebnis von der schweren Verletzung von Javi Martinez überschattet wird, vermutlich ein Kreuzbandriss. Noch steht die Diagnose aus, doch Guardiola befürchtet: „Er wird lange fehlen.“ *

Dem Edelkader gehen die Alternativen aus
Ausgerechnet Martinez, der zuletzt im Konzept des Trainers eine immer wichtigere Rolle spielte. Beim Supercup-Duell mit dem BVB besetzte der Defensiv-Allrounder das Zentrum der Dreier-Abwehrkette, von der sich Guardiola so viel verspricht auf dem Weg, einen FC Bayern nach eigenen Vorstellungen, nach seiner eigenen Vision zu schaffen. Doch nach dem unglücklichen Zusammenprall mit Marcel Schmelzer im Dortmunder Strafraum musste Martinez unter Schmerzen im Knie vom Platz getragen werden. „Er war in überragender Form dieses Jahr“, haderte Guardiola. Nachdem der Trainer vor der Partie bereits die Ausfälle von Rafinha und Thiago zu beklagen hatte, wird es selbst im exklusiven Bayern-Kader langsam eng, obwohl der bis tief in die zweite Reihe mit herausragenden Spielern besetzt ist. In neun Tagen startet die Bundesliga, Mitte September die Champions League.

Schlechte Beispiele gibt es genug
Gerade jetzt wäre es so unglaublich wichtig, auf Alternativen setzen zu können, um von Anfang an das Rennen um Titel und Trophäen zu bestimmen. Die mit Topstars gespickten Bayern wissen nur allzu gut, dass sie erfolgreiche Turniere der Nationalmannschaft tendenziell mit schwächerem Abschneiden in der folgenden Bundesliga-Saison bezahlen. Nach den Turnieren 2006, 2008 und 2010 hießen die Meister: Stuttgart, Wolfsburg und Dortmund. Die Eingliederung der gestressten deutschen Weltmeister und der WM-Teilnehmer aus anderen Ländern ist eine echte Herausforderung in dieser Saison. Es kann durchaus etwas dauern, bis die Topstars wieder voll im Saft stehen.

Lahm sieht zur Zeit nur die Rücklichter
„Wir haben Spieler, die erst ein paar Tage dabei sind. Wir haben noch keinen Rhythmus“, sagte Philipp Lahm nach der Partie in den Katakomben und warb um Verständnis. Ihm selbst war die fehlende Spritzigkeit deutlich anzumerken: In der zweiten Hälfte verlor der Bayern-Kapitän zum Beispiel trotz Vorsprungs ein Laufduell gegen WM-Bankdrücker Erik Durm. Nur ein taktisches Foul verhinderte, dass der frischer und mutiger wirkende BVB eine weitere Großchance herausspielte.

Neuer hält weiter weltmeisterlich
In Dortmund standen in Manuel Neuer, Jerome Boateng und Thomas Müller immerhin drei FCB-Weltmeister schon wieder in der Startelf – genau einen Monat nach dem Titelgewinn der deutschen Mannschaft in Südamerika. Noch in der ersten Halbzeit wurde auch der Brasilianer Dante aufgrund der Martinez-Verletzung aus dem Schongang gerissen und musste aushelfen. Im zweiten Durchgang kamen zudem Mario Götze und Philipp Lahm zum Einsatz, um vielleicht doch noch die Wende zu erzwingen. Von allen war nicht viel zu sehen. Kein Wunder, denn sie haben ja auch erst vier Trainingseinheiten absolviert nach der vermutlich ohnehin zu kurzen WM-Pause. Einzig Torwart Neuer spielte, als wäre nie der Abpfiff in Rio ertönt. Dass es am Ende aus Münchner Sicht nur 0:2 ausging, daran hatte der frisch gekürte „Spielers des Jahres“ allergrößten Anteil.

Rückkehrer Lewandowski selbstkritisch
Gegner Dortmund ging wesentlich aggressiver und zielstrebiger zu Werke. Die Borussen verteidigten sehr hoch und pressten so Bayerns defensive Außenspieler Pierre-Emile Höjbjerg und Neuzugang Juan Bernat tief in die eigene Hälfte. Dadurch waren in der Mitte der erst 17 Jahre alte Gianluca Gaudino sowie Sebastian Rode kaum einmal in der Lage, das Bayern-Spiel in die richtige Bahn zu lenken. Nur zwei Torchancen aus dem Spiel heraus brachten die Gäste zustande. Xherdan Shaqiri (3.) und Robert Lewandowski (46.) bei seinem ersten Spiel in der alten Heimat wussten ihre Chancen aber ebenso wenig zu nutzen wie David Alaba mit einem Standard: einem fulminanten Freistoß aus 25 Metern (80.). „Das war offensiv einfach zu wenig“, sagte Stürmer Lewandowski selbstkritisch. Die mitgereisten Münchner Fans mussten sich von den schwarz-gelben Anhängern mit „Superbayern“-Sprüchen verhöhnen lassen.

Dortmunds Testspielschmach ist vergessen
Dagegen durfte BVB-Trainer Jürgen Klopp nach den Treffern durch Henrich Mchitarjan (23.) und Pierre-Emerick Aubameyang (62.) sehr zufrieden sein, obwohl auch seine Mannschaft mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat. „Für diese Phase der Saison war das schon ein ganz tolles Spiel von uns“, sagte der Coach, der auch ein wenig erleichtert war, den schlechten Eindruck der 0:4-Pleite im letzten Test in Liverpool schnell verwischen zu können. Und ein Sieg über die Bayern ist ja immer was wert in Westfalen, selbst im nur halbwegs bedeutenden Supercup.

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*Die Befürchtungen des FC Bayern haben sich einen Tag nach dem Supercup-Finale bestätigt: Javi Martinez hat einen Kreuzbandriss im linken Knie erlitten und wird dem Klub wohl ein halbes Jahr lang fehlen.

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