Im Football-Fieber: alle Scheinwerfer aufs große Spektakel Super Bowl LI

In der Nacht auf Montag blicken die US-Amerikaner wieder nahezu kollektiv auf den Super Bowl, das große Finale ihrer Lieblingssportart. In Deutschland wächst die Zahl der Football-Fans, doch einer ihrer größten Wünsche wird sich auch 2017 nicht erfüllen.

(Dieser Artikel lief am 5.2.2017 bei zdfsport.de)

Alles ist größer in Texas. Das kolossale Kongresszentrum in Downtown Houston ist schon seit einer Woche Epizentrum für den Wahnsinn Super Bowl. Tausende Fans des American Football vergnügen sich im Bauch des Gebäude-Giganten auf der so genannten „Experience“, oder sie stürzen sich neben diesem Mitmach-Themenpark in die Kauforgie des überdimensionierten Fanshops.

Auf der benachbarten Fanmeile, im Discovery-Green-Park und in den Wolkenkratzer-Schluchten, haben zig bunte Team-Trikots die Business-Anzüge der Energie-Metropole verdrängt, bis im gut 10 Kilometer entfernten NRG-Stadion der Höhepunkt steigt, auf den ganz Amerika wartet: das Endspiel zwischen den New England Patriots und den Atlanta Falcons.

Tickets zu Mondpreisen
Kaum noch vorstellbar, dass Football nicht immer die Nummer eins in den USA war und es beim ersten Finale 1967 noch günstig Karten an der Tageskasse gab. Football hat sich über Jahrzehnte zum Riesenspektakel entwickelt, nun fiebert die Nation Super Bowl LI entgegen, der 51. Endspiel-Ausgabe. Selbst die in Trump-Zeiten eher Gespaltenen Staaten von Amerika werden nahezu kollektiv vorm Fernseher sitzen.

Die gut 70.000 Glücklichen, die ein Stadion-Ticket ergattert haben, lassen sich nicht mal von Mondpreisen abhalten. Zwei Tage vorm Spiel waren Karten nur noch ab 2.750 Dollar zu haben, nach oben keine Grenze.

Moderner Gladiatorenkampf
Der Vorsprung auf Konkurrenz-Sportarten scheint uneinholbar. „Big Four“ im US-Sport – das war einmal. Baseball, Basketball und Eishockey sind in der Publikumsgunst abgehängt. Rasante Action, spektakuläre Duelle, und die Aussicht auf immer neue Wendungen eines modernen Gladiatorenkampfs bietet die National Football League (NFL) wie kein zweiter Sport. Es ist das perfekte TV-Ereignis.

Die Ausgeglichenheit, ausgedrückt in elf unterschiedlichen Super-Bowl-Siegern seit der Jahrtausendwende, macht einen Großteil des Reizes aus. Europas Fußball-Ligen mit ihren geronnenen Strukturen können das kaum bieten. Dass dieses Jahr acht von zehn Playoffs ohne Spannungsspitze verliefen, war die Ausnahme von der Regel.

Kunstform Halbzeitshow
Der Höhepunkt der Football-Saison hat noch mehr zu bieten. Zum Beispiel die Half Time Show des Super Bowls, die vor knapp einem Viertel-Jahrhundert durch den Auftritt von Michael Jackson zur Kunstform erhoben wurde. Allein für diese Halbzeit schalten weltweit Millionen Menschen ein. Dieses Jahr bekommt Superstar Lady Gaga die Bühne – und schon die Frage, ob die Sängerin eine Spitze gegen US-Präsident Donald Trump wagt, bewegt die Nation. Auch die Werbung während des Spiels hat Kult-Charakter. Allein ein Drittel der Zuschauer schaut das Finale vor allem wegen der Spots. 30 Sekunden Sendezeit kosten fünf Millionen Dollar.

Außerhalb der USA erliegen immer mehr Fans dem Reiz des Footballs. Seit 2007 trägt die NFL Spiele in London aus, in diesem Jahr vier. Zudem geht die Liga im zweiten Jahr in Folge nach Mexiko City ins Aztekenstadion. In Deutschland träumen die Fans vom Gastspiel ihrer behelmten Helden, aber bis dahin dürfte noch Zeit vergehen. Zuerst sind wohl noch Amerikas Nachbarn im Norden dran: „Wir haben eine tolle Fanbasis in Kanada. Das ist ein toller Markt und es wäre für uns viel einfacher als ein Spiel in Deutschland“, sagte Mark Waller diese Woche in Houston. Als einer der NFL-Vizepräsidenten ist er für die Internationalisierung zuständig.

Keine deutschen Helden
Dabei ist Deutschlands größtes Manko inzwischen beseitigt. Dank der Übertragungen im Free-TV hat die NFL den Sprung ins frei empfangbare Fernsehen geschafft, mit steigenden Quoten. Die Kern-Sendezeit mit Spielen am Sonntag ab 19 Uhr lockt zum Ausklang des Wochenendes viele Sportfreunde vor die Flimmerkiste.

Sogar ohne deutsche Helden bleiben die Fans dran. Sebastian Vollmer, der vor zwei Jahren den Super Bowl gewann, ist seit Monaten verletzt und kann aktuell nur die Daumen drücken für die Patriots um Star-Quarterback Tom Brady. Markus Kuhn und Björn Werner haben jüngst ihre Profi-Karriere beendet, ohne den Durchbruch geschafft zu haben. Die Karriere von Mark Nzeocha bei den Dallas Cowboys stockt aufgrund von Verletzungen. Einzig Kasim Edebali ist bei den New Orleans Saints Stammspieler, doch fliegt er bislang unterm Radar.

Ein Hoffnungsträger ist Moritz Böhringer, der im vergangenen Jahr als erster Deut-scher ohne College-Hintergrund im Draft ausgewählt wurde, der Nachwuchsbörse der Liga. Nach einer Saison in der Trainingsgruppe der Minnesota Vikings hofft der 23-Jährige für kommende Spielzeit auf Liga-Einsätze. Als Passempfänger hätte er das Zeug für spektakuläre Auftritte. Mit einem deutschen Wide Receiver würde die Chance auch erheblich steigen, auf der Fanmeile bunte Trikots mit seinem Namen zu sehen – zumal die Vikings den nächsten Super Bowl ausrichten.

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