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Monacos Mbappé: Superstar in spe

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Kylian Mbappé ist der Aufsteiger bei Dortmunds Champions-League-Gegner AS Monaco. In seiner Heimat Frankreich wird der 18-Jährige schon mit einer Legende verglichen.

(*Dieser Artikel lief am 10. und 11.4.2017 bei zdfsport.de*)

Es gibt da dieses nette Foto von Kylian Mbappé: Als Knabe sitzt er auf seinem Kinderzimmerbett und grinst in die Kamera, die Wand hinter ihm ist gepflastert mit Postern seines Vorbilds Cristiano Ronaldo. Viel Zeit ist seither nicht vergangenen, doch vermutlich hängt mittlerweile Mbappès Bild längst über den Betten französischer Jungs.

Denn der 18-Jährige ist auf dem besten Wege, selbst ein Fußballheld zu werden. Mit 19 Treffern in 33 Spielen ist er die Entdeckung beim AS Monaco, dem Viertelfinalgegner von Borussia Dortmund in der Champions League.

„Früher oder später bei Real oder Barca“
Spätestens seine beiden Tore im Achtelfinale der Königsklasse gegen Manchester City haben die Nummer 29 der Monegassen auf die große Bühne gehoben. Europas Topklubs werfen ein Auge auf Mbappé: Über ein 45-Millionen-Euro-Angebot von Manchester United wird spekuliert, Real Madrid soll mit einer deutlich höheren Summe gescheitert sein – vorerst.

Es scheint nur eine Frage der Zeit, wann der Mittelstürmer Monacos Stade Louis II mit seiner Zweitligakulisse von maximal 18.000 Fans hinter sich lässt und bei einem Branchenriesen anheuert. „Wir wissen alle, dass er früher oder später bei Real Madrid oder Barcelona landen wird“, sagt Teamkollege Fabinho.

Monacos neue Offensivqualitäten
Von Mitspielern wird Mbappé liebevoll Razmoket, „Hosenscheißer“, genannt, weil er einer gleichnamigen Zeichentrickfigur ähnelt. Aber den Kinderserien ist er entwachsen. In dieser Saison hat der sehr klar im Kopf wirkende Shooting-Star erheblich dazu beigetragen, dass Monacos Trainer Leonardo Jardim die früheren Defensivkünstler zum heißesten Team Europas formen konnte.

Nur zwei Jahre ist es her, da mogelte sich der Klub aus dem Fürstentum mit nur 4:1 Toren durch die Vorrunde der Champions League. Nun begeistert der aktuelle Spitzenreiter der französischen Ligue 1 durch spektakuläre Offensive. An Mbappé Seite: weitere Hochbegabte wie Fabinho (23), Spielmacher Bernardo Silva (22), Thomas Lemar (21) oder Tiemoué Bakayoko (22).

„Was ist der Junge gut…“
In vielen Aspekten erinnert Kylian Mbappé an Frankreichs Legende Thierry Henry. Genau wie der Welt- und Europameister wuchs er in einem Pariser Problemvorort auf. Wie der spätere Arsenal-Star genoss Mbappé die Ausbildung in Monacos angesehener Akademie bei La Turbie. Mit 16 beziehungsweise 17 Jahren avancierte er zum jüngsten Spieler und Torschützen der Klubgeschichte – beide Rekorde nahm er Henry ab.

Der Rechtsfuß Mbappé spielt leichtfüßig und mit Torjägerinstinkt. „Er erinnert mich an den jungen Thierry“, sagt auch dessen Mentor, Arsenal-Coach Arsène Wenger. „Er hat denselben cleveren Blick, dieselbe Spielintelligenz und ist ähnlich begabt im Abschluss.“ Nur Henry mag die Vergleiche nicht. „Mbappé soll einfach Mbappé sein“, sagt der heutige Co-Trainer der belgischen Nationalelf. Beeindruckt ist er trotzdem vom Nachfolger in spe: „Was ist der Junge gut.“


Große Reife für sein Alter

Seit Ende März darf sich Mbappé Nationalspieler nennen. Trainer Didier Deschamps berief ihn für Frankreichs Test gegen Luxemburg. Obwohl Les Bleus seit Jahrzehnten mit Talent gesegnet sind, stieg der Überflieger zum jüngsten Debütanten seit 62 Jahren auf.

Beim Prestigeduell mit Spanien stand der Youngster dann schon in der Startelf. Auch im Nationalteam hat er Eindruck hinterlassen. Kapitän Hugo Lloris lobte den Neuling: „Er zeigt große Reife für sein Alter. Er hat alle Chancen, eine großartige Karriere hinzulegen.“

Kandidat für den BVB?
Angeblich war auch die in Frankreich bestens vernetzte Dortmunder Borussia an dem Supertalent dran, zuletzt diesen Winter. Inzwischen scheint Mbappé für den Revierklub aber außer Reichweite. Die Kulisse des früheren Westfalenstadions wäre für Mbappé zwar der perfekte Übungsort für das Estadio Santiago Bernabeu in Madrid oder das Camp Nou in Barcelona. Aber selbst wenn der BVB im Sommer eine irre Ablöse für Pierre-Emerick Aubameyang kassierte und einen Stürmer bräuchte – kaum vorstellbar, dass Dortmund 40 Millionen Euro oder mehr für einen Teenager zahlt.

Mbappé selbst sagt: „Ich habe noch nicht genug erreicht, um Monaco zu verlassen.““Sein Vertrag läuft bis 2019 und er weiß genau: In Monaco kann er sich in Ruhe entwickeln. Bei seinen Fähigkeiten bleibt der Sprung immer möglich. Etwa zu Real, wo der Posterheld seines Kinderzimmers wartet.

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