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Shooting-Stars mit zweitem Anlauf

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Dortmunds Matthias Ginter und Schalkes Max Meyer haben mehr gemein als die olympische Silbermedaille von Rio 2016. Die Frühstarter kämpfen mit ähnlichen Problemen und bald winkt ihnen eine große Chance.

(*Dieser Artikel lief am 25.3.2017 bei zdfsport.de*)

Beide besitzen olympisches Silber, einer ist sogar Weltmeister: Es gibt nicht viele Bundesliga-Spieler, die bereits auf eine so bewegte Laufbahn zurückblicken können wie der erst 21 Jahre alte Max Meyer oder der nur zwei Jahre ältere Matthias Ginter.

Doch aktuell eint die früheren Shooting-Stars von Schalke 04 und Borussia Dortmund eher die Tatsache, dass sie sich in ihren Klubs durch ein kleines Tief kämpfen müssen und auf einen Karriere-Joker in der Sommerpause hoffen.

Einen Schritt zurück, zwei nach vorn
Defensivspezialist Ginter und Offensivhoffnung Meyer gelten als Kandidaten für die U21-EM, die vom 16. bis 30. Juni in Polen ausgetragen wird. Beide stehen aktuell im Kader für die zwei letzten wichtigen Testspiele. Anstatt mit dem A-Team zum Confederations Cup nach Russland zu fahren, könnten also beide mit dem DFB-Nachwuchs um die Europameisterschaft spielen. Verbandsintern wird das U21-Turnier höher bewertet als die Generalprobe der „Großen“ für die WM 2018.

Bei Meyer gibt es dazu angeblich eine Absprache zwischen dem FC Schalke und dem Deutschen Fußball-Bund. Es wäre ein Gewinn für alle. U21-Trainer Stefan Kuntz freut sich über jede Hilfe aus jener Erfolgself, die im Olympiafinale nur knapp an Brasilien scheiterte. Und für die A-Nationalspieler Ginter und Meyer, die sich womöglich kommende Woche im 172. Revierderby gegenüberstehen, scheint es angesichts ihrer stockenden Entwicklung nicht verkehrt, einen Schritt zurück zu gehen und dann hoffentlich wieder zwei nach vorne.

Herbe Kritik vom eigenen Trainer
Schalkes Hoffnungsträger Meyer hat in dieser Spielzeit zu kämpfen. Unter dem neuen S04-Trainer Markus Weinzierl sammelte die Nummer 29 der Königsblauen vor allem zu Saisonbeginn nicht die erhofften Einsatzzeiten. Der nur knapp ältere Leon Goretzka hat ihm den Rang abgelaufen. Erst als Weinzierl nach verpatztem Saisonstart die Grundordnung änderte, rutschte der Dribblekünstler wieder öfters ins Team. Dass er eher als hängende Spitze oder auf den Außen zum Zuge kam und nicht auf seiner Lieblingsposition als „Zehner“, dürfte dem Vorzeigetalent der „Knappenschmiede“ egal sein. Meyer geht trotz seiner Jugend schon ins fünfte Profijahr – er will es endlich wissen.

Der Fluch der überbordenden Fähigkeiten. Schon mit 17 debütierte Meyer in der Bundesliga und nur ein Jahr später in der Nationalelf. Schlechtere Phasen wie auch zuletzt wieder werden bei ihm deutlicher wahrgenommen. Etwa jüngst nach Schalkes DFB-Pokal-Aus gegen den FC Bayern, als der kleine Wirbelwind vom eigenen Trainer angezählt wurde: „Max hat in der ersten Halbzeit sechs Zweikämpfe bestritten und einen gewonnen – die Zahlen sprechen für sich.“ Genau wie die „kicker“-Durchschnittsnote von 3,66, mit der ein hoch veranlagte Youngster nicht zufrieden sein kann. Weil zudem sein Vertrag 2018 ausläuft, reißen die Gerüchte nicht ab, Meyer könne flüchten und die Karriere anderswo auf Kurs bringen. Angeblich war der FC Liverpool interessiert.

Stammspieler mit Schwankungen
Vergleichbares hat Dortmunds Ginter erlebt, sogar mehrfach. Der mit Vorschusslorbeeren und als Weltmeister nach Dortmund gewechselte, vermeintliche Abwehrspieler der Zukunft stand nach schwachem Debütjahr in Dortmund schon vorm Wechsel zu Borussia Mönchengladbach. Vorm Start dieser Saison dann schien der Abschied des zweimaligen Gewinners der Fritz-Walter-Medaille zum VfL Wolfsburg nahe.

Doch beim ersten Mal wollte der BVB kein frühes Urteil fällen, Ginter bedankte sich für das Vertrauen mit einer starken Hinrunde als Aushilfs-Rechtsverteidiger. Beim zweiten Mal verhinderte wohl nur die geplatzte Verpflichtung des Leverkuseners Ömer Toprak einen Wechsel, da die ambitionierte Borussia hinten nicht sehr üppig aufgestellt ist.

Vorspielen für andere Klubs
Ginter hat sich auch körperlich weiterentwickelt und ist diese Saison formal zum Stammspieler aufgestiegen. Bei den Liga-Einsätzen lässt er Abwehrchef Sokratis und Konkurrent Marc Bartra hinter sich. Aber Dortmunds Nummer 28 schwankt in den Leistungen. Vor allem seit Beginn der Rückrunde, als der BVB Topraks Verpflichtung für die kommende Spielzeit bekannt gab. Mal zeigt sich Ginter sogar auf der großen Bühne Champions League als souveräner Abräumer, dem selbst ein anspruchsvoller Spielaufbau gelingt. Mal wird den BVB-Fans bei einfachsten Aktionen angst und bange.

Etwa bei der jüngsten Auswärtspleite bei Hertha BSC oder beim glücklichen Sieg über Ingolstadt. Die Zweifel bleiben. Daher dürfte es ihm zu pass kommen, dass er dank der kruden UEFA-Regeln noch für die Nachwuchs-EM spielberechtigt ist. Es kann sicher nicht schaden, wenn er sich im Sommer als Anführer einer erfolgreichen U21 auch für andere Klubs interessant macht.

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