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Gesucht: Leader für den BVB-Endspurt

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Wer treibt Borussia Dortmund anstelle des gesperrten Kapitäns Marco Reus ins Saisonfinale? Nicht nur die Meisterschaft hängt davon ab.

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Der Kampf um den Liga-Titel ist noch nicht entschieden, doch der um die Deutungshoheit dieser Achterbahn-Saison von Borussia Dortmund bereits in vollem Gange. Sportdirektor Michael Zorc jedenfalls fühlte sich schon vorm drittletzten Spieltag, vorm Auftritt des BVB bei Werder Bremen bemüßigt, seinen Trainer vor öffentlicher Kritik zu schützen.

„Wir gehen mit Lucien Favre definitiv in die neue Saison, versicherte Zorc im „kicker“, nachdem der Ton im Boulevard jüngst aufgrund der herben Derby-Pleite extrem an Schärfe gewonnen hatte.

Der letzte Eindruck bleibt
„Wahnsinn auf Westfälisch“, so die „Ruhr Nachrichten”, den Coach eines Tabellenzweiten infrage zu stellen. Es ist Favres Fluch der guten Tat: Vom Umbruch spricht bei der Borussia schon lange keiner mehr, weil die Hinrunde unerwartet nahezu perfekt geriet. Schon jetzt steht fest, dass der Trainer die mit Fragezeichen in die Saison gestarteten Schwarz-Gelben im Debütjahr mindestens auf Rang drei führen wird. Doch der letzte Eindruck bleibt, und der zeigt einen BVB, der zu grün war für die K.-o.-Runde der Königsklasse, im DFB-Pokal einen Heimspiel-Vorteil wegwarf und auf dem besten Weg ist, den Liga-Titel trotz zwischenzeitlich neun Punkten Vorsprung zu verspielen.

Abo-Meister München näher am Ziel
Es ist paradox: Nach den Wirren der Vergangenheit wäre selbst die Vizemeisterschaft ein großer Erfolg für Dortmund. Doch mit ihrer merkwürdig saft- und kraftlosen Rückrunde könnte der BVB die Saison gefühlt noch entwerten. Ein schlechtes Signal für den ambitionierten Revierklub, über diese Spielzeit hinaus. Allein deshalb ist es wichtig, dass sich die Mannschaft zusammenreißt und angriffslustig und selbstbewusst aus der Spielzeit steigt. Ganz unabhängig davon, ob der Titel nun doch wieder an den Abo-Meister FC Bayern geht, der zwei Zähler näher am Ziel ist.

Wer wird Kämpfer Kehl beherzigen?
„Wir werden bis zum Schluss alles geben. Das ist Teil unserer DNA“, verkündet Sebastian Kehl. Auch der Lizenzspieler-Chef ist um die Deutungshoheit bemüht, die nach Favres emotionaler und etwas voreiliger Kapitulation im Meisterrennen auf der Kippe steht. Doch welches der anfangs so oft gerühmten „Mentalitätsmonster“ wird Kämpfer Kehls Worte beherzigen? Die Spieler müssen sich schon gegen freche Bremer daran messen lassen. An Werders Qualitäten werden sie sich indes nach ihrer DFB-Pokalpleite nur ungern erinnern.

Witsel schippert vor sich hin
Es gibt einige Kandidaten, die beim BVB vorangehen könnten. Doch alle schleppen ihre eigenen Probleme mit in den Endspurt. Axel Witsel etwa hat in der ersten Saisonhälfte das Geschehen auf dem Platz nahezu dominiert. Doch zuletzt wurde er seinem Spitznamen „Schaluppe“ in negativer Weise gerecht. Der Belgier schippert nicht mehr ausgeglichen den Wellen trotzend über den Platz, sondern oft Leinen los, kaum Land in Sicht. Es scheint, als sehne er die Sommerpause herbei. Mehr Drive ging von seinem dynamischen Mittelfeldpartner Thomas Delaney aus, obwohl der technisch längst nicht so versiert ist. Der frühere Bremer könnte bei der Rückkehr an die alte Wirkungsstätte ein wichtiger Aktivposten sein.

Torwart Bürki geht voran
Formell wird Manuel Akanji für Marco Reus als Kapitän einspringen, der nach seiner Rotsperre im Derby erst beim Saisonfinale in Gladbach wieder eingreifen darf. Aber ob Akanji wie Reus als Herz der Mannschaft auftritt, ist eher fraglich. Der Abwehrchef ließ sich zuletzt von der Nervosität der Nebenleute anstecken und konnte nicht die dramatischen Defensiv-Defizite bei Standards lösen helfen. Torwart Roman Bürki spielt eine überragende Saison und geht in Sachen Top-Einstellung voran: Immer wieder unterstützte er Reus bei der selbstkritischen Fehleranalyse. Aber aufgrund seiner Spielposition bleibt sein Einfluss auf dem Rasen zwangsläufig eingeschränkt.

Wächst Götze an der Aufgabe?
Bleibt Comeback-Kid Mario Götze, neben Reus, Bürki und Shooting-Star Jadon Sancho einer der konstantesten und besten Spieler in der oft enttäuschenden zweiten Halbserie. Mit fünf Treffern und vier Vorlagen liegt er in der Rückrunde bei Torbeteiligungen sogar gleichauf mit Offensivstar Reus (6/3). Der WM-Held von 2014 hat als giftige Pressing-Spitze überzeugt und als Ballverteiler in der Zentrale geglänzt.

Dort ist er nun der Hoffnungsträger, um als Reus-Double Stürmer Paco Alcacer mit Vorlagen zu füttern. Für Leader-Qualitäten ist der 26-Jährige bislang zwar nicht groß bekannt, aber vielleicht wächst der zum Routinier gereifte Götze an dieser Aufgabe. Den Kampf um die Deutungshoheit über diese Saison hat er bereits aufgenommen. Via sozialer Medien hält Götze die kleine Titelchance am Leben und titelt: „Alles ist noch möglich.“

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