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Grundsolider Zaubersport

Schwarz-Gelb wirft die Rotationsmaschine an

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Das hat es in Dortmund noch nicht gegeben: Trainer Jürgen Klopp nimmt Abschied vom Konzept der Stammelf und nähert sich damit weiter dem Branchenführer an. Die schwarz-gelbe Maschine rotiert zu Saisonbeginn fast lässig mit Personal und Spielvarianten – selbst wenn sich der Ertrag noch in Grenzen hält wie beim knappen Sieg über Werder Bremen.

Es sind gerade mal drei Partien absolviert, und Borussia Dortmund hat sich bereits selbst überholt mit seinen Zielen und Ansprüchen. „Am Anfang der Saison musst du Spiele gewinnen und nicht Rotationsweltmeister werden“, hatte Trainer Jürgen Klopp vor dem Start der 51. Bundesliga-Saison noch gesagt. Nach dem knappen 1:0-Erfolg über Werder Bremen, dem 450. Heimsieg in der Geschichte der Borussia, ist der sportliche Auftrag mit dem besten Saisonstart seit zwölf Jahren vorerst erfüllt. Neun Punkte, 7:1 Tore – besser geht es kaum. Parallel dazu hat Schwarz-Gelb in Sachen Aufstellung schon einen kleinen Westfalentitel errungen.

Die Rasselbande wird erwachsen
Bereits 19 verschiedene Akteure des Kaders sind zum Einsatz gekommen, zumindest für konservative Dortmunder Verhältnisse ist das ziemlich ungewöhnlich. Denn beim BVB gilt – oder muss man sagen: galt? – stets das Kloppsche Credo. „Wir sind eine Mannschaft, die an ihre Grenze gehen muss, um in der Bundesliga eine dominante Rolle zu spielen. Dafür muss man eingespielt sein.“ Das hatte der Coach vor der Spielzeit in einem bemerkenswerten Interview mit „bundesliga.de“ gesagt. Doch während Klopp bei Aufbau und Pflege seiner Meistermannschaft in der Regel auf die gleichen Gesichter vertraute, wird inzwischen auch beim Stammelf-Fanatiker munter durchgemischt.

Die neue Pressing-Maschine, die der Trainer versprochen hat, lässt sich auf höchstem Niveau nicht mehr nur mit elf Akteuren betreiben, zumal der Altersschnitt der früheren Rasselbande auf über 26 Jahre gestiegen ist. Gleich 18 Spieler des BVB haben nun theoretisch das Zeug für einen Startelf-Einsatz, ohne dabei auf den Rängen für kollektive Magenschmerzen zu sorgen.

Tiefenentspannter Blick auf das Maskottchen
So rückte Innenverteidiger Sokratis am 2. Spieltag gegen Braunschweig überraschend in die Startelf und flog nun trotz starker Leistung wieder raus – obwohl er gegen seine alten Teamkollegen von Werder Bremen einen Informationsvorsprung ins Feld führen konnte gegenüber Neven Subotic. Austauschschüler Kevin Großkreutz hält auf der rechten Abwehrseite eigentlich nur den Platz von Professor Lukasz Piszczek warm, ersetzt den Langzeitverletzten aber erstaunlich abgeklärt. Auch nach der Rückkehr des etablierten Außenverteidigers wird Ur-Borusse Großkreutz eine Alternative bleiben, so viel lässt sich jetzt schon sagen.

Der Einsatz von Ersatztorhüter Mitch Langerak in Augsburg war zwar der saisonübergreifenden Rotsperre der klaren Nummer eins Roman Weidenfeller geschuldet. Aber dank der perfekten Bilanz von elf Siegen in elf Pflichtspielen sieht die BVB-Gemeinde jeden Einsatz des australischen Klub-Maskottchens völlig tiefenentspannt.

Und im Hintergrund lauert Hofmann
Viel deutlicher noch wird der künftige BVB-Weg im Mittelfeld: Pierre-Emerick Aubameyang, Auftaktheld in Augsburg mit einem Dreierpack, musste sich gegen Werder wieder hinter Jakub Blaszczykowski anstellen. Kein Problem für den BVB, weil Marco Reus einfach links oder rechts spielt, je nachdem welcher der beiden anderen Akteure gerade als sein Pendant für die Stammelf auserkoren ist. Wobei sich selbst Nationalspieler Reus jüngst gegen Braunschweig auf der Bank wiederfand und nach der Länderspielwoche zunächst ein wenig durchschnaufen durfte.

Klopp hat auf den Außen viele Optionen, nicht nur personell. Mit dem pfeilschnellen Aubameyang lässt sich ein gefährliches Konterspiel aufziehen. Die Variante Kuba ist wohl die defensivstärkste, und mit Reus kommt sofort Zauber in die Partie. Ach, und dann gibt es ja noch den „Vierten Neuzugang“, wie Sportdirektor Michael Zorc ihn genannt hat: Youngster Jonas Hofmann hat in bislang 40 Joker-Minuten schon für mehr Aufsehen gesorgt als mancher gesetzte Bundesliga-Kicker in einer kompletten Spielzeit.

Sahin wird überraschend zur Konstante
Im defensiven Mittelfeld wird die Rotationskunst auf die Spitze getrieben. Mit Blick auf die Champions League hat sie der BVB schon im Vorjahr eindrucksvoll praktiziert, nun ist sie auch so in der Bundesliga angekommen. Gleich vier Spieler teilen sich zwei Planstellen: Ilkay Gündogan, Kapitän Sebastian Kehl, Sven Bender und Nuri Sahin.

Natürlich gibt es weiter Abstufungen und das Pärchen Gündogan/Bender gilt als die Top-Variante für Flutlichtabende. Aber im Prinzip ist hier ohne gravierenden Qualitätsverlust nahezu jede Kombination denkbar, und genau so praktiziert es der BVB auch. Interessanterweise ist zurzeit Sahin die einzige Konstante mit drei Startelf-Einsätzen in der Liga. Der Meisterschaftsheld von 2011 profitiert allerdings gerade von Gündogans Verletzungspech.

Nur Details fehlen für Traumtor mit Youtube-Potenzial
Es ist längst nicht alles perfekt beim BVB – trotz Traumstart und Tabellenführung. Götze-Nachfolger Henrich Mchitarjan etwa benötigt ganz offensichtlich noch Zeit, um in der Schaltzentrale des Dortmunder Vollgasfußballs anzukommen. In Augsburg und gegen Braunschweig hakte es beim Umschalten noch gewaltig und auch das Spiel in die Spitze ließ trotz der Siege Wünsche offen. Auch die Abwehr steht noch nicht wieder so bombenfest, wie es ein einziges Gegentor vermuten lassen könnte. Selbst das Werder-Spiel hätte mit ein wenig Pech in die Buxe gehen können. Aber beim Erfolg über Bremen bekamen die Fans eine erste Ahnung von den Möglichkeiten: Phasenweise erinnerten die Kombinationen schon wieder an die zauberhaften Meisterjahre 2011 und 2012.

Denn trotz der unfassbar schlechten Chancenverwertung mit 32 Torschüssen und nur einem Treffer durch Robert Lewandowski überwog das Positive: Oft fehlte nur ein kleines Detail, das aus einer Aktion zum Haare raufen ein Traumtor mit ewigem Youtube-Potenzial gemacht hätte. Nun, da die Borussia auch in der Kaderbreite dem Rotationsweltmeister FC Bayern ein Stück näher gekommen scheint, dürfen sich die Fans jedenfalls berechtigte Hoffnungen auf eine starke Saison in allen drei Wettbewerben machen.

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