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Grundsolider Zaubersport

Der BVB verlängert den Festivalmodus

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Zwölf Tore in nur vier Tagen: Borussia Dortmund findet weitere viel versprechende Optionen für die erfolgreiche Gestaltung der Umbruch-Saison. Gegen völlig überforderte Darmstädter schont Trainer Tuchel sogar einen Unverzichtbaren und Götze wartet weiter aufs Heimdebüt.

Am Ende mussten sich die Gäste aus Hessen noch eine Demütigung gefallen lassen. Borussia Dortmunds Sebastian Rode ließ sich angesichts der zauberhaften Vorstellung seiner Kollegen nicht bitten und drückte den Ball für das vorletzte Tor des BVB kunstvoll mit der Hacke über die Linie.

Ausgerechnet Rode, der im Edelkader der Schwarz-Gelben ja eher die Rolle des Zerstörers besetzen soll, gelang kurz vor Schluss mit seinem Debüt-Tor im früheren Westfalenstadion der vielleicht schönste Treffer beim 6:0 (1:0)-Schützenfest über Darmstadt 98.

Ramos nutzt seine Chance
„Wir haben heute viele schöne Tore geschossen und unseren Zuschauern ein tolles Spiel geboten“, lobte BVB-Trainer Thomas Tuchel nach der Partie. Vier Tage nach der Sechs-Tore-Gala der Westfalen im ersten Gruppenspiel der Königsklasse bei Legia Warschau legten sie am 3. Spieltag der Bundesliga mit ähnlicher Leichtigkeit dasselbe Ergebnis nach. Diese insgesamt zwölf Treffer verteilen sich auf zehn verschiedene Spieler. Tuchels Plan, beim Umbruch sowohl Aufgaben als auch Verantwortung auf viele Schultern zu verteilen, ging in diesen beiden Partien voll auf. Optionen zur Problemlösung bieten sich mehr als genug, das war beim Kantersieg über bemitleidenswerte Lilien erneut deutlich.

Etwas überraschend verzichtete Tuchel in der Startelf auf Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang – eigentlich der einzige Unersetzliche im Dortmunder Kader. Doch der Gabuner, durfte sich 90 Minuten auf der Bank ausruhen, nachdem er zuletzt in Warschau „nur“ einmal traf, aber etliche Großchancen liegen ließ. Sein spielfreudiger Ersatz Adrian Ramos nutzte die Chance, glänzte mit einem öffnenden Pass vorm 1:0 durch Gonzalo Castro (7.) und belohnte sich kurz nach der Pause mit einem Abstauber zum 2:0 dann selbst (48.).

Heimdebüt der Reizfigur verschoben
Auch Mario Götze fand sich auf der Bank wieder, nachdem er schon bei der Niederlage in Leipzig aufsteigende Form gezeigt und in Warschau zu den besten seines Teams gehört hatte. Tuchel begründete die Schaffenspause mit dem straffen Programm der vergangenen Wochen. „Mario kommt aus einer Verletzung. Er hat jetzt zwei lange Länderspiele hinter sich und für uns zwei Mal mehr oder weniger durchgespielt. Da wollten wir Vorsicht walten lassen.“ Die Vermutung, Dortmund wolle noch Zeit gewinnen, ehe die Reizfigur dem Votum der Südtribüne ausgesetzt wird, bügelte der Coach vorsichtshalber mit ab: „Wir wollten ihn eigentlich einwechseln, auch um das Thema Heimspiel zu einem guten Ende zu bringen.“ Nur die Blessur und nötige Auswechslung von Kapitän Marcel Schmelzer habe das verhindert.

BVB-Youngster machen viel Spaß
Vermisst wurde Götze im Spiel der Dortmunder jedenfalls genauso wenig wie der angeschlagene André Schürrle. Denn die Youngster des BVB wussten an ihrer Stelle mal wieder zu gefallen. Der 19 Jahre alte Ousmane Dembélé glänzte mit frechen Dribblings und scharfen Flanken, seine perfekte erste nach Ramos‘ Traumpass führte zum 1:0. Später ersetzte ihn der gleichaltrige Emre Mor, und der Türke stand ihm in nichts nach. Der Ball klebt dem flinken Mor förmlich am Fuß wenn er als Kreisläufer die Strafraumlinie hoch und runter jagt. Bei seinem Tor zum 6:0-Endstand bewies er zudem hohe technische Qualitäten.

Noch auffälliger als diese beiden war aber Christian Pulisic. Der US-Amerikaner hatte auch bei Legia schon überzeugt, nun sicherte er sich zwei Torvorlagen. Beim Hackentreffer zum 4:0 durch Doppelpacker Castro (78.) und beim letzten Treffer des Tages legte er perfekt auf. Wenige Stunden vor seinem 18. Geburtstag machte sich der Youngster zudem mit dem 3:0 (54.) selbst ein perfektes Geschenk. Der BVB kann sich glücklich schätzen, diese drei Hochbegabten in seinen Reihen zu wissen. „Junge Spieler auf den Flügeln tun uns gut. Für die Sprints und Läufe und die Bereitschaft zu verteidigen. Sie haben die Demut, das lange auszuhalten. Aber das erwarten wir auch von ihnen“, sagte Tuchel später sehr zufrieden.

Ein „Sechser“ reicht
Taktisch scheint sich beim BVB derweil immer deutlicher ein 4-1-4-1 als Grundformation herauszuschälen. Gegen defensiv stehende Teams wie Darmstadt, das sich erfolglos mit einer Fünferkette hinten einigelte, reicht im defensiven Mittelfeld der Dortmunder ein einziger „Sechser“. Den gab Julian Weigl diesmal wieder nahezu fehlerlos, nachdem er bei der Pleite in Leipzig einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte. Davor profitierte dieses Mal Castro von der immer wieder aufblitzenden Klasse seines Nebenmannes, Europameister Raphael Guerreiro.

Fünf Partien in nur 14 Tagen
Für die Gäste, die vor Anpfiff den kurzfristigen Ausfall von Kapitän Aytac Sulu verkraften mussten und in der 57. Minute auch noch Peter Niemeyer durch eine gelb-rote Karte verloren, blieb am Ende nur Staunen. „Als neutraler Zuschauer könnte man sich erfreuen an der spieltechnischen Überlegenheit. Dortmund ist nicht unsere Kragenweite“, sagte Trainer Norbert Meier und hisste die Weiße Flagge. Genau wie zuletzt Warschaus Trainer Besnik Hasi. Dagegen blieb für Dortmunds Coach nach der erneuten Gala kaum Raum für Kritik. Nur für freundliche Anregungen, angesichts des Mammutprogramms von fünf Partien in nur 14 Tagen: „Wir haben jetzt zwei Mal das Optimum aus der Favoritenrolle herausgeholt. Wir sind gut beraten, diesen Takt hochzuhalten.“ Welchen Wert Duelle mit Teams wie Warschau und Darmstadt haben, wird sich vielleicht nächsten Dienstag beim Gastspiel in Wolfsburg zeigen. Spätestens aber eine Woche später beim Höhepunkt des September-Stresses: mit dem Showdown in der Königsklasse gegen Real Madrid.

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