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Wirbel um Aubameyang offenbart Kratzer in der heilen BVB-Welt

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Borussia Dortmund feiert vorzeitig den Einzug in die lukrative K.-o.-Runde der Königsklasse. Doch der ebenso zähe wie wertvolle Sieg über Sporting Lissabon rückt durch die klubinterne Suspendierung des eigenen Stürmerstars schnell in den Hintergrund.

Ob er sich einen Spaß draus gemacht hatte? Man konnte es fast glauben, als am Abend des Spiels über Twitter aktuelle Fotos von Pierre-Emerick Aubameyang liefen: Mit Humphrey-Bogart-Hut und -Mantel nahm Borussia Dortmunds Topstürmer seinen Platz auf der Tribüne des früheren Westfalenstadions ein – und nicht wie gewohnt im BVB-Trikot im Angriffszentrum von Schwarz-Gelb.

Kurz vorm 1:0 (1:0)-Sieg seines Teams gegen Sporting Lissabon und der damit verbundenen Qualifikation für das Achtelfinale der Champions League war Aubameyang hochkant aus dem Team geflogen. Warum? Darüber konnte man nur rätseln wie einst Bogart alias Detektiv Sam Spade bei der Lösung eines kniffligen Kriminalfalls.

Tuchel handelt „konsequent konsequent“
„Interne Gründe“, kommunizierte der BVB ebenso wortkarg wie einstimmig. Denn diese Formulierung hatte der Klub offenbar als Antwort-Schablone an seine Kicker für die Nach-Spiel-Phase ausgegeben. Auch Trainer Thomas Tuchel, der die Entscheidung getroffen hatte, wollte inhaltlich nicht zur Aufklärung des ungewöhnlichen Sachverhalts beitragen. Er habe es sich nicht leicht gemacht, denn „Auba ist unser Stürmer Nummer eins“. Aber trotz der großen Bedeutung der Partie für die wirtschaftlichen Klubziele habe man keine Rücksicht darauf nehmen können. „Manche Dinge müssen losgelöst vom Zeitpunkt betrachtet werden. Entweder es gibt eine Konsequenz, oder nicht. Wenn wir konsequent handeln wollen, dann konsequent konsequent“, erläuterte der Taktik-Tüftler ziemlich verquast.

Auba-Ersatz steigt zum Matchwinner auf
Ob Aubameyang nun in Sachen Rotation dem Trainer widersprochen hat, wie zunächst vermutet wurde, ob er während einer Teamsitzung das Handy benutzte, wie die „Bild“ zu wissen glaubte, oder ob er mit einer Stippvisite nach Mailand gegen den Team-Kodex verstoßen hat, ist aufgrund des Dortmunder Schweigegelübdes nicht gesichert. Offenbar aber hat der Spieler in irgendeiner Form die Autorität seines Trainers angekratzt und dafür die Quittung bekommen. Umso erleichterte dürfte der Coach sein, dass seine Maßnahme gegen Sporting sportlich folgenlos blieb, beziehungsweise letztlich sogar von Erfolg gekrönt war. Denn er konnte „Auba“-Ersatz Adrian Ramos nicht nur passenderweise ein besonders „mannschaftsdienliches Spiel“ bescheinigen. Als Schütze des einzigen Tores wurde der Kolumbianer sogar prompt zum Matchwinner.

Pulisic trifft nur die Latte
Ramos traf mit einem wunderbar platzierten Kopfball, den der als Rechtsverteidiger aushelfende Matthias Ginter mit einer scharfen Flanke perfekt vorbereitet hatte (12.). Die Borussia hatte bereits in der ersten Hälfte weitere Großchancen, den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale der Königsklasse klarzumachen. Nach Doppelpass mit dem starken Mario Götze traf der ebenso gut aufgelegte Christian Pulisic aber nur die Latte (34.). Raphael Guerreiro, anfangs als linker Außenverteidiger damit betraut, Sportings Shooting-Star Gelson Martins zu kontrollieren, scheiterte kurz vorm Pausenpfiff knapp mit einem strammen Schuss ans Außennetz. Vorausgegangen war eine schöne Kombination – mit Ramos!

Bartra und Bürki im Duell mit Gelson Martins
In der allmählich immer zäher werdenden Partie hatten die Gäste aus Portugal nur ein unwesentlich kleineres Chancenminus. Das Team von Trainer Jorge Jesus präsentierte sich besser vorbereitet als bei der 1:2-Hinspielpleite im heimischen Estadio Jose Alvalade, störte Dortmunds Spielaufbau viel konsequenter und kam so selbst zu Möglichkeiten. Die beste entschärfte BVB-Keeper Roman Bürki, der im Duell Eins gegen Eins mit Gelson Martins die Nerven behielt (27.). Nur vier Minuten später bewahrte Innenverteidiger Marc Bartra Schwarz-Gelb vor dem durchaus verdienten Ausgleich, als er Gelson Martins‘ nächsten gefährlichen Versuch gerade noch blocken konnte.

Marschrichtung: Sieg sichern
Nach dem Seitenwechsel stellte der BVB seine Offensivbemühungen fast komplett ein und konzentrierte sich darauf, den Sieg über die Runden zu bringen. Dazu nahm Tuchel den zu verspielten Ousmane Dembélé raus und ersetzte ihn durch André Schürrle, der deutlich mehr nach hinten mitarbeitete. In der Abwehr stellte der BVB zudem auf eine Dreierkette um, die im Rückwärtsgang auf eine Fünferreihe anwuchs. Spätestens als Tuchel zwanzig Minuten vor Schluss die Kreativzentren Götze und Gonzalo Castro zugunsten der Zerstörer Sebastian Rode und Lukasz Piszczek opferte, war die Marschrichtung klar. Nur zwei Mal im zweiten Durchgang kam Sporting bis zu Bürki durch, doch erst war der BVB-Keeper erneut mit einer Parade gegen Alleinunterhalter Gelson Martins zur Stelle (49.). Und zwölf Minuten vor Schluss vergab Bryan Ruiz mit einem zu hoch angesetzten Kopfball aus kurzer Distanz die letzte Möglichkeit, Zählbares aus Westfalen mitzunehmen.

Der Boulevard reibt sich die Hände
Mehr bekamen die Fans im früheren Westfalenstadion nicht zu sehen, und Aubameyang schon mal gar nicht. Denn der Stürmer machte sich schon deutlich vor Abpfiff des holländischen Schiedsrichters Danny Makkelie im Sportflitzer auf den Heimweg. Trotzdem blieb er natürlich beim Spitzenreiter der Champions-League-Gruppe F Gesprächsthema Nummer eins. Zwar versuchte Tuchel, die Schärfe aus der Geschichte zu nehmen und kündigte das sofortige Ende der Sanktion an. „Die Entscheidung ist mit diesem Spiel beendet.“ Schon fürs nächste Training ist Dortmunds Paradiesvogel wieder begnadigt. Die BVB-Fans dürfen aber gespannt bleiben, wie sich dieser Disput auf das Dortmunder Betriebsklima auswirkt. Der Boulevard reibt sich bereits die Hände, denn auf dieser Basis lässt sich viel besser über einen möglichen Abgang des begehrten Stürmerstars spekulieren – und über Risse in der bislang so heile erscheinenden BVB-Welt.

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